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Position des ZDB

Materialknappheit belastet Baukonjunktur

Die Bauunternehmen registrieren bei Preisanfragen zu verschiedenen Baumaterialien seit dem vierten Quartal 2020 Preissteigerungen insbesondere bei Stahl, Bitumen und Holz wie auch Dämmstoffen – und das mit einer sehr dynamischen Entwicklung, teilweise mit erheblichen Lieferengpässen.

Erzeugerpreise Juni 2022

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegen die Einkaufspreise bei den global gehandelten Erzeugnissen weiter auf historisch hohem Niveau. Bei mineralischen Baustoffen, die in Deutschland gewonnen bezeihungsweise hergestellt werden und einen hohen Energieeintrag haben, sind aktuell eher neue Spitzen (Zement, Ziegel) zu verzeichnen. In Folge ziehen Sand, Kies, etc. weiter linear an. Unternehmer melden weiterhin bei der Materialbeschaffung einen hohen Aufwand. Eine Ordersituation wie sie bis 2019 bestand, ist wohl für die nächsten Monate noch nicht zu erwarten.

  • Bei Baustahl zeigt sich zum Vormonat Mai eher eine Beruhigung: -2,8%. Allerdings auf historisch sehr hohem Preisniveau
  • Eine deutliche Preisdynamik zeigt sich weiter bei Erdöl und erdölbasierten Kunststoffen. Auch hier sind wir ohnehin auf historisch hohem Niveau:
    • Bitumen +6,3%
    • Dämmung +4,1%
  • Während bei den mineralischen Baustoffen Zement, Kalk, Beton, Kies ein eher stetiger linearer Zuwachs zu beobachten ist, gibt es bei Ziegeln mit  +15% und bei Vliesen (Dämmmaterial) mit +9,8% eine hohe Dynamik zum Vormonat Mai. Das dürfte an deren energieintensiver Herstellung und damit der Preisentwicklung bei Erdgas liegen.
  • Bei Bauholz scheinen die Extremsteigerungen zunächst vorbei. Nach einer Beruhigungsphase ist eine Seitwärtsbewegung zu erkennen. Gleichwohl sind die Werte erkennbar weiter über dem Niveau vor der Corona-Pandemie: 2019 Index bei 101, derzeit bei 170. 

Bitumen

Der Rohöl basierte Baustoff Bitumen ist ein zentraler Bestandteil in der Asphaltproduktion für den Straßenbau. Bei Erdöl sind bereits deutliche Preissteigerungen von den Märkten eingepreist worden. Dies schlägt sich bei der Preisentwicklung für Kraftstoffe und Bitumen nieder, hat aber auch die Produktionskosten erdölbasierter Kunststoffe (Dämmmaterial, Rohre, etc.) erreicht.

Die deutsche Asphaltindustrie thematisiert die Abhängigkeit einiger zentraler Raffinerien von entsprechenden Lieferungen aus Russland. Bei Lieferstopps drohe ein Ausfall von bis zu einem Drittel der hiesigen Bitumenversorgung. Die Auswirkungen auf den deutschen Straßenbau seien erheblich und in einigen Fällen für Unternehmen sicherlich existenzbedrohend.

Die Bauwirtschaft ist mit ihren Materialtransporten als transportintensivste Branche der Volkswirtschaft massiv von den Preisentwicklungen bei Diesel und Benzin betroffen.

Holz

Die hohe internationale Nachfrage nach Holz, der Schädlingsbefall von Wäldern in Europa und Kanada sowie Exportbeschränkungen führten insbesondere 2021 zu steigenden Preisen und Holzknappheit in Deutschland, auch weil in anderen Ländern deutlich mehr für Schnittholz gezahlt wird.

Auch wenn Russland bereits im letzten Jahr Exportverbote fürHolz verfügte, hatte der Ausfall entsprechender Importe aus Russland zunächst treibend auf die Weltmarktpreise für Holz zurückgeschlagen und damit auch den deutschen Markt erreicht. Nach starken Schwankungen in den vergangenen zwölf Monaten scheinen die hohen Ausschläge beendet.

Kunststoff

Derzeit besteht ein Mangel an vielen Kunststoffprodukten, dazu zählen u.a. Dämmmaterialien, Folien, aber vor allem auch Kunststoffrohre.

Hier sind die Ursachen vielfältiger: Rund die Hälfte der Produktionskapazitäten für die Grundstoffe der Kunststoffproduktion liegt in Asien. Hier wurden die Produktionskapazitäten erst im III. Quartal 2020 mit dem Anspringen der dortigen Konjunktur wieder hochgefahren. Aber ein wesentlicher Teil der Produktion gelangt nicht nach Europa, sondern in die im November 2020 ins Leben gerufene Freihandelszone RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), die größte der Welt.

Weiterhin sind Lieferketten infolge der Corona-Pandemie und des Lockdowns in Shanghai gestört, dem größten Hafen der Welt.

Störungen in der Produktion sowie Unterbrechungen in der Lieferkette, aber auch eine steigende Nachfrage nach Baustoffen führen zu steigenden Preisen und zur Baustoffknappheit in Deutschland.

Mineralische Baustoffe

Für die Preisentwicklung bei mineralischen Baustoffen, die größtenteils aus Deutschland beziehungsweise aus Europa kommen, lassen sich größtenteils moderate Steigerungen konstatieren, obwohl in einigen Teilen Deutschlands bereits Versorgungsengpässe bei einzelnen Gesteinskörnungen festzustellen sind. Bei Ziegeln (+15 % zum Vormonat) und bei Dämmmaterial Vliesen  (+9,8% zum Vormonat) sind aber zunehmende Dynamiken zu sehen.

Ein Beispiel für aktuelle Herausforderungen der heimischen Rohstoffversorgung stellt die Versorgung mit Gips für die Bauwirtschaft dar.

Die Hälfte des Gipsbedarfes in Deutschland wird derzeit mit REA-Gips, die restlichen Bedarfe mit Naturgips gedeckt. Mit der Reduktion der Kohleverstromung entfallen zukünftig auch große Kapazitäten zur Herstellung von REA-Gips, die aufgrund der unverändert hohen Nachfrage mit Naturgips oder Recyclingmaterial gedeckt werden müssen. Gipsrecycling wird den zukünftigen Bedarf vor allem auf Grund der geringen Mengen von recycelbaren Gipsabfällen nur in begrenztem Maße decken können.

Es ist Aufgabe der Politik, in einer nationalen beziehungsweise europäischen Rohstoffstrategie die Versorgung der deutschen Wirtschaft, und hier besonders der Bauwirtschaft, mit Rohstoffen sicherzustellen.

Für den Bereich der Primärrohstoffe bedeutet dies, dass ihr Abbau weiterhin möglich sein muss. Deutschland verfügt über genügend Rohstoffe, also Holz, Sand, Kies und Gips. Man muss diese nur nutzen dürfen.  Das heißt, Kies- und Sandgruben sowie Abbaugebiete für Gips müssen weiterhin genehmigt und nicht als unnötiger Eingriff in den Landschaftsschutz abgelehnt werden.

Beim Bauen mit heimischen Rohstoffen entfallen lange Transportwege, der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert. Die Verfügbarkeit von heimischen Baustoffen verringert die Abhängigkeit von den internationalen Rohstoffmärkten und den damit verbundenen Preis- und Lieferrisiken.

Darüber hinaus verbleiben die Wertschöpfung sowie Investitionen im eigenen Land. Die Umsetzung wichtiger Bauaufgaben im Wohnungsbau, der energetischen Sanierung, des Bau- und Ausbaus des deutschen Straßen- und Schienennetzes sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele wird ermöglicht.

Stahl

Mit Beginn Ukrainekrieges und der Sanktionen sind Preise für Bau- und Hilfsstoffe stark angestiegen. Der Preisdruck generiert sich zum einen aus den sanktionierten Importen für Baustoffe aus Russland und Belorussland sowie kriegsbedingt ausbleibenden Importen aus der Ukraine. Hiervon sind insbesondere Stahlprodukte betroffen. Dies ist auf die hohen Lieferanteile von Russland, der Ukraine und Belorussland an den Stahlimporten zurückzuführen. Von den aus Drittländern eingeführten Stahlimporten in die EU stammten 2020 knapp 30 % aus diesen Ländern. Hinzu kommen die hohen Anteile an Roheisen (40 %) sowie diversen Rohstoffen für Stahl- Legierungen wie Nickel (25 %) und Titan (75 %).

Zum anderen ergibt sich ein erheblicher Druck auf die Preise aus den steigenden Energiekosten, die für die Produktion von Baustoffen fällig werden, infolge der von den Märkten eingepreisten, aber noch gar nicht realisierten Verknappung von Erdgas. Auch dies trifft insbesondere auf Stahlprodukte zu, wird aber auch andere energieintensive Produkte, wie z.B. Zement, erreichen.

Es liegen Berichte vor, nach denen Stahlwerke infolge der Energiepreissteigerungen temporär oder ganz vom Markt gegangen sind. Dies wird das Angebot weiter verknappen. Der Baustoffhandel informiert Bauunternehmen derzeit über Lieferschwierigkeiten oder die Zurücknahme von Angeboten der Stahlhersteller. Bauunternehmen erhalten damit aktuell schwer Angebote für Stahlmatten, Träger, Stabstahl und Bleche, auch Rohre sind betroffen. Sofern Angebote gemacht werden, erfolgen diese häufig nur zu Tagespreisen. Die Kalkulation dieser Baustoffe ist damit kaum noch möglich beziehungsweise setzt Bauunternehmen unter erhebliche Risiken.

Forderungen

  • Verlängerung der Erleichterungen zur Beantragung von Kurzarbeitergeld für alle Betriebe, solange die Lieferengpässe anhalten.
  • Verlängerung der Regelung zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen
  • Berücksichtigung von Stoffpreisgleitklauseln bei neuen Aufträgen im öffentlichen Bau
  • Verzicht auf Sanktionen bei Verzögerungen im Bauablauf aufgrund von Lieferengpässen
  • Nationale bzw. europäische Rohstoffstrategie für Baustoffe.

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Materialknappheit

Die Beschaffungsprobleme bei Baumaterialien und die damit verbundene Preisentwicklung sind eine enorme Herausforderung für die Bauunternehmen. Es braucht kurzfristige Lösungen, um einen Baustopp zu verhindern und eine langfristige Strategie, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.