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Position des ZDB

Materialknappheit belastet Baukonjunktur

Die Bauunternehmen registrieren bei Preisanfragen zu verschiedenen Baumaterialien seit dem vierten Quartal 2020 Preissteigerungen insbesondere bei Stahl, Bitumen und Holz wie auch Dämmstoffen – und das mit einer sehr dynamischen Entwicklung, teilweise mit erheblichen Lieferengpässen.

Die deutlichen Preissteigerungen haben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes weiter fortgesetzt. Wie abzusehen war, zieht die Dynamik bei wichtigen Baustoffen im März im Vorjahresvergleich an. Besonders deutlich ist der Drive bei Dieselkraftstoff (+65,8%), Betonstahl (+60,4%), Bitumen (+45,3%). Bei diesen Produkten geht es auch im Vergleich zum Vorjahresmonat weiter steil nach oben. Hier bilden sich die Folgen des Ukraine-Krieges ab: Die Sanktionen gegen Russland schlagen sich bei Importen bereits nieder (Stahl) oder werden wegen erwarteter Verknappungen eingepreist (Erdöl).

Bei Holz hält sich weiter ein hohes Niveau, ohne dass die Dynamik weiter zulegt. Die mineralischen Baustoffen vollziehen die Entwicklung seit dem Start in das Jahr 2022 nach. Steigende Energiepreise verteuern hier die Herstellung von Zement/Beton. Die anderen mineralischen Baustoffe ziehen im Fahrwasser mit.

Bitumen

Der Rohöl basierte Baustoff Bitumen ist ein zentraler Bestandteil in der Asphaltproduktion für den Straßenbau. Bei Erdöl sind bereits deutliche Preissteigerungen von den Märkten eingepreist worden, ohne dass bisher (Stand 14.3.2022) ein Lieferstopp aus Russland erfolgt wäre. Dies schlägt sich deutlich bei der Preisentwicklung für Kraftstoffe und Bitumen nieder, wird aber auch die Produktionskosten erdölbasierter Kunststoffe (Dämmmaterial, Rohre, etc.) erreichen.

Die deutsche Asphaltindustrie thematisiert im Zusammenhang mit Bitumen die Abhängigkeit einiger zentraler Raffinerien von entsprechenden Lieferungen aus Russland. Es drohe bei Lieferstopps ein Ausfall von bis zu einem Drittel der hiesigen Bitumenversorgung. Die Auswirkungen auf den deutschen Straßenbau seien erheblich und in einigen Fällen für Unternehmen sicherlich existenzbedrohend.

Die Bauwirtschaft ist mit ihren Materialtransporten als transportintensivste Branche der Volkswirtschaft massiv von den Preisentwicklungen bei Diesel und Benzin betroffen, die aktuell kaum noch kalkuliert werden können.

Holz

Holz wird auf dem Weltmarkt gehandelt, an sich kein neues Phänomen. Neu ist, dass auch Holz aus deutschen Wäldern dazu zählt.

Zu dieser Entwicklung tragen zwei Faktoren besonders bei: Das ist zum einen eine drastische Verknappung des Holzangebots in den USA. Diese hat ihre Ursachen in den Waldbränden und den Zöllen auf kanadische Holzlieferungen, die aus der Regierungszeit von Präsident Trump resultieren. Hinzu kommt, dass auch Kanada mit einem Käferbefall zu kämpfen hat. Kanada liefert deshalb weniger Holz in die USA. Daher haben sich die Schnittholzlieferungen aus Deutschland in die USA drastisch erhöht.

Zum anderen hat Russland einen Exportstopp für Rohholz nach China angekündigt, den das Land bereits umsetzt. Daher kauft China in großem Stil Rundholz in Deutschland für den eigenen Markt ein.

Die hohe internationale Nachfrage nach Holz, der Schädlingsbefall von Wäldern in Europa und Kanada sowie Exportbeschränkungen führen zu steigenden Preisen und Holzknappheit in Deutschland, auch weil in anderen Ländern deutlich mehr für Schnittholz gezahlt wird.

Auch wenn Russland bereits im letzten Jahr seinerseits Exportverbote fürHolz verfügt hatte, dürfte der nun verbindliche Ausfall entsprechender Importe aus Russland auch treibend auf die Weltmarktpreise für Holz zurückschlagen und damit auch den deutschen Markt erreichen.

Kunststoff

Derzeit besteht ein erheblicher Mangel an sämtlichen Kunststoffprodukten, dazu zählen u.a. Dämmmaterialien, Folien, aber vor allem auch Kunststoffrohre.

Hier sind die Ursachen vielfältiger: Rund die Hälfte der Produktionskapazitäten für die Grundstoffe der Kunststoffproduktion liegt in Asien; hier wurden die Produktionskapazitäten erst im III. Quartal 2020 mit dem Anspringen der dortigen Konjunktur wieder hochgefahren. Aber ein wesentlicher Teil der Produktion gelangt nicht nach Europa, sondern in die im November 2020 ins Leben gerufene Freihandelszone RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), die größte der Welt.

Zudem sind große Produktionsanlagen in den USA, vor allem in Texas, wegen des heftigen Wintereinbruchs im Februar 2021 ausgefallen.

Auch in Europa sind große Werke ausgefallen, so z.B. die wichtigen Styrol und Propylenoxid (Kunststoffe) produzierenden Werke in den Niederlanden („unvorhersehbarer Schaden“) im Februar 2021 und in Frankreich (technische Probleme) im November 2020.

Weiterhin sind Lieferketten infolge der Corona-Pandemie wie auch der Schiffshavarie im Suez-Kanal im März 2021 unterbrochen.

Störungen in der Produktion sowie Unterbrechungen in der Lieferkette, aber auch eine steigende Nachfrage nach Baustoffen führen zu steigenden Preisen und zur Baustoffknappheit in Deutschland.

Mineralische Baustoffe

Für die Preisentwicklung bei mineralischen Baustoffen, die größtenteils aus Deutschland bzw. aus Europa kommen, lassen sich nur moderate Steigerungen konstatieren, obwohl in einigen Teilen Deutschlands bereits Versorgungsengpässe bei einzelnen Gesteinskörnungen festzustellen sind.

Ein Beispiel für aktuelle Herausforderungen der heimischen Rohstoffversorgung stellt die Versorgung mit Gips für die Bauwirtschaft dar.

Die Hälfte des Gipsbedarfes in Deutschland wird derzeit mit REA-Gips, die restlichen Bedarfe mit Naturgips gedeckt. Mit der Reduktion der Kohleverstromung entfallen zukünftig auch große Kapazitäten zur Herstellung von REA-Gips, die aufgrund der unverändert hohen Nachfrage mit Naturgips oder Recyclingmaterial gedeckt werden müssen. Gipsrecycling wird den zukünftigen Bedarf vor allem auf Grund der geringen Mengen von recycelbaren Gipsabfällen nur in begrenztem Maße decken können.

Es ist Aufgabe der Politik in einer nationalen bzw. europäischen Rohstoffstrategie, die Versorgung der deutschen Wirtschaft, und hier besonders der Bauwirtschaft mit Rohstoffen sicherzustellen.

Für den Bereich der Primärrohstoffe bedeutet dies, dass ihr Abbau weiterhin möglich sein muss. Deutschland verfügt über genügend Rohstoffe, also Holz, Sand, Kies und Gips. Man muss diese nur nutzen dürfen.  D.h. Kies- und Sandgruben sowie Abbaugebiete für Gips müssen weiterhin genehmigt und nicht als unnötiger Eingriff in den Landschaftsschutz abgelehnt werden.

Beim Bauen mit heimischen Rohstoffen entfallen lange Transportwege; der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert.

Die Verfügbarkeit von heimischen Baustoffen verringert die Abhängigkeit von den internationalen Rohstoffmärkten und den damit verbundenen Preis- und Lieferrisiken.

Darüber hinaus verbleiben die Wertschöpfung sowie Investitionen im eigenen Land. Die Umsetzung wichtiger Bauaufgaben im Wohnungsbau, der energetischen Sanierung, des Bau- und Ausbaus des deutschen Straßen- und Schienennetzes sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele wird ermöglicht.

Stahl

Mit Beginn Ukrainekrieges und der Sanktionen sind Preise für Bau- und Hilfsstoffe stark angestiegen. Der Preisdruck generiert sich zum einen aus den sanktionierten Importen für Baustoffe aus Russland und Belorussland sowie kriegsbedingt ausbleibenden Importen aus der Ukraine. Hiervon sind insbesondere Stahlprodukte betroffen. Dies ist auf die hohen Lieferanteile von Russland, der Ukraine und Belorussland an den Stahlimporten zurückzuführen. Von den aus Drittländern eingeführten Stahlimporten in die EU stammten in 2020 knapp 30 % aus diesen Ländern. Hinzu kommen die hohen Anteile an Roheisen (40 %) sowie diversen Rohstoffen für Stahl- Legierungen wie Nickel (25 %) und Titan (75 %).

Zum anderen ergibt sich ein erheblicher Druck auf die Preise aus den steigenden Energiekosten, die für die Produktion von Baustoffen fällig werden, infolge der von den Märkten eingepreisten, aber noch gar nicht realisierten Verknappung von Erdgas. Auch dies trifft insbesondere auf Stahlprodukte zu, wird aber auch andere energieintensive Produkte, wie z.B. Zement erreichen.

Es liegen erste Berichte vor, nach denen Stahlwerke infolge der Energiepreissteigerungen temporär oder ganz vom Markt gegangen sind. Dies wird das Angebot weiter verknappen. Der Baustoffhandel informiert Bauunternehmen derzeit über Lieferschwierigkeiten oder die Zurücknahme von Angeboten der Stahlhersteller. Bauunternehmen erhalten damit aktuell schwer Angebote für Stahlmatten, Träger, Stabstahl und Bleche, auch Rohre sind betroffen. Sofern Angebote gemacht werden, erfolgen diese häufig nur zu Tagespreisen. Die Kalkulation dieser Baustoffe ist damit kaum noch möglich bzw. setzt Bauunternehmen unter erhebliche Risiken.

Forderungen

  • Verlängerung der Erleichterungen zur Beantragung von Kurzarbeitergeld für alle Betriebe, solange die Lieferengpässe anhalten.
  • Verlängerung der Regelung zur Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen
  • Berücksichtigung von Stoffpreisgleitklauseln bei neuen Aufträgen im öffentlichen Bau
  • Verzicht auf Sanktionen bei Verzögerungen im Bauablauf aufgrund von Lieferengpässen
  • Nationale bzw. europäische Rohstoffstrategie für Baustoffe.

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Materialknappheit

Die Beschaffungsprobleme bei Baumaterialien und die damit verbundene Preisentwicklung sind eine enorme Herausforderung für die Bauunternehmen. Es braucht kurzfristige Lösungen, um einen Baustopp zu verhindern und eine langfristige Strategie, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.