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Konjunkturprognose 2022

Bau stützt Konjunktur: Mehr Umsatz, mehr Beschäftigte für 2022

Die Quintessenz: Die Bauwirtschaft rechnet für den Umsatz im Bauhauptgewerbe

  • mit 143,5 Milliarden Euro in 2021 nach 143 Milliarden Euro in 2020 (nominal +0,5 Prozent)
  • Die hohen Auftragsbestände lassen Raum für eine Umsatzsteigerung auf 151 Milliarden Euro in 2022, was einer Steigerung um nominal 5,5 Prozent entspricht
  • Bei einer veranschlagten Preisentwicklung für Bauleistungen von jahresdurchschnittlich 4 Prozent, bedeutet das einen realen Zuwachs von 1,5 Prozent
  • Bei den Beschäftigten erwartet die Branche einen weiteren Aufbau um 10.000 auf 915.000 Beschäftigte

Konjunkturelle Entwicklung

In Erwartung von Nachwirkungen der Corona-Pandemie hatten wir vor einem Jahr für das Jahr 2021 nur eine verhaltene Dynamik der Bauproduktion auf dem Niveau des Jahres 2020 prognostiziert. Diese Prognose hat sich bestätigt. Wir rechnen für den Umsatz im Bauhauptgewerbe im Jahr 2021 nominal mit 143,5 Milliarden Euro nach 143 Milliarden Euro in 2020 (nominal +0,5 Prozent).

Während einerseits die Nachfrage nach Bauleistungen im Jahresverlauf 2021 wieder Auftrieb hatte, haben andererseits Probleme bei der Materialbeschaffung und nachfolgend deutliche Preiserhöhungen beim Einkauf die Abarbeitung der hohen Auftragsbestände gebremst.

Der Gipfel der Dynamik bei der Entwicklung der Einkaufspreise scheint bei wichtigen Baumaterialien nun zwar überschritten, gleichwohl halten die Preise immer noch ein hohes Niveau. Der Index für Erzeugerpreise zeigt z.B. für Bauholz aktuell (Oktober) immer noch ein fast doppelt so hohes Preisniveau wie zum Vorjahreszeitpunkt. Bei Kunststoffprodukten, wie Rohren und Dämmstoffen, liegen die Preise um 30 Prozent über dem Vorjahresniveau, bei Stahl sind es fast 70 Prozent.

Ein Stück weit gelingt es den Bauunternehmen inzwischen bei neuen Verträgen, diesen Druck auf der Einkaufseite auch an den Markt weiterzugeben. Per September haben die Preise für Bauleistungen gegenüber dem Vorjahr um knapp 6 Prozent zugelegt. Das hat entsprechend auch die dargestellte nominale Umsatzentwicklung gestützt. Real bedeutet der minimale Anstieg einen Rückgang der Umsatzentwicklung in 2021 um 6 Prozent.

Gleichwohl haben wir auch in 2021 eine hohe Kapazitätsauslastung zu verzeichnen, am aktuellen Rand von über 80 Prozent. Die hohe Geräteauslastung hat die Investitionsbereitschaft unserer Unternehmen deutlich erhöht. Seit 2016 investiert das Baugewerbe stärker als das übrige produzierende Gewerbe und die Dienstleistungsbereiche in neue Anlagen. Unsere personellen Kapazitäten haben wir von 2009 bis 2021 von 705.000 Beschäftigten auf 905.000 Beschäftigte, also um nahezu 30 Prozent, ausgeweitet. Neben dem Rückgang der Arbeitslosenzahl und der Gewinnung ausländischer Arbeitskräfte gelingt es unserer Branche zudem gegen den Trend, die Gesamtzahl der Ausbildungsverhältnisse zu erhöhen. 

All dies tun wir, weil wir von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Bauleistungen überzeugt sind. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung nimmt dies mit der angestrebten Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur, dem Neubau von Wohnungen und der Realisierung der Klimaschutzziele in den Blick. – Auch die Klimawende muss gebaut werden. Wichtig ist dabei, die investiven Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten.

Unsere aktuellen Verbandsumfragen zeigen einen verhaltenen Optimismus zur Geschäftsentwicklung in 2022. Dieser ist maßgeblich daran festgemacht, dass Lieferschwierigkeiten und die Dynamik der Preisentwicklungen beim Einkauf von Baumaterial im zweiten Quartal 2022 nachgeben werden. Die hohen Auftragsbestände lassen Raum für eine Umsatzsteigerung auf 151 Milliarden Euro in 2022, was einer Steigerung um nominal 5,5 Prozent entspricht. Bei einer veranschlagten Preisentwicklung für Bauleistungen von jahresdurchschnittlich 4 Prozent, bedeutet das einen realen Zuwachs von 1,5 Prozent. Bei den Beschäftigten erwarten wir einen weiteren Aufbau um 10.000 auf 915.000 Beschäftigte.

Wohnungsbau

Der Wohnungsbau ist auch in den „Corona-Jahren“ Stützpfeiler der Baukonjunktur geblieben. Ende September 2021 lagen die Auftragsbestände bei fast 13 Milliarden Euro, eine Steigerung zum Vorjahreswert um fast 20 Prozent. Die Nachfrage nach Wohnraum lässt nicht nach. Bis September wurden gut 282.000 Wohnungen genehmigt, ca. 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 

Die Bundesregierung geht mit dem formulierten Ziel, in der Legislaturperiode jährlich 400.000 Wohnungen zu errichten, richtigerweise davon aus, dass letztlich nur mit der Schaffung neuen Wohnraums eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu erreichen ist. Wir halten die Zielvorgabe für ambitioniert, bedeutet sie doch eine schlagartige Erhöhung der jährlichen Baufertigstellungen um ca. 30 Prozent. Wir werden unseren dargestellten Pfad der Kapazitätsanpassung mit Blick auf die mittelfristigen Bedarfe und die Rahmenbedingungen für Investitionen weiter fortsetzen. Wir begrüßen in diesem Zusammenhang ausdrücklich 

  • die geplante Erhöhung der linearen Abschreibung von 2 Prozent auf 3 Prozent und
  • die geplanten Aufstockungen der Mittel für den sozialen Wohnungsbau, den altersgerechten Umbau von Wohnungen und die Städtebauförderung.

Um die Schlagzahl im Wohnungsbau zu erhöhen, setzen wir verstärkt auf modulares und serielles Bauen. 

Wir rechnen in 2021 mit der Fertigstellung von ca. 310.000 Wohnungen und in 2022 von ca. 320.000 Wohnungen. 

Der Umsatz im Wohnungsbau erreicht in 2021 ca. 55,4 Milliarden Euro, eine Steigerung gegenüber 2020 um nominal 2 Prozent. Für 2022 rechnen wir mit einem weiteren Wachstum auf 59,3 Milliarden Euro, eine Steigerung um nominal 7 Prozent. 

Wirtschaftsbau

Die Nachfrage aus der Wirtschaft nach Bauten war im Jahresverlauf 2021 ausgesprochen volatil ausgeprägt und bleibt mit Blick auf die Frühindikatoren Baugenehmigungen und Auftragseingänge ambivalent. Während wir von Januar bis September einen starken Zugang an Ordern (+13 Prozent) vor allen Dingen im Hochbau gesehen haben (+18 Prozent), zeigen die Baugenehmigungen nach Gebäudetypen ein sehr differenziertes, „Corona-gezeichnetes“ Bild:

Die Investitionsbereitschaft in Handelsgebäude leidet weiter unter den CoronaEinschränkungen. Das Genehmigungsvolumen (bemessen nach Baukosten) liegt um 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die vierte Corona-Welle lässt hier für die kommenden Monate wenig Impulse erwarten.

Der demgegenüber deutlich angezogene Onlinehandel stützt weiter die Nachfrage nach Lagerflächen, und hält das stark gewachsene Genehmigungsvolumen des Vorjahres. Die Investitionsbereitschaft aus der Industrie in neue Fabrik- und Werkstattgebäude erreicht per September nicht das schwach ausgeprägte Vorjahresniveau. Auch der Hotel- und Gastronomiebereich zeigt wegen der Corona-Einschränkung weniger Investitionsneigung  (-8 Prozent).

Nachdem im Vorjahr wegen der hohen Inanspruchnahme der Kapazitäten in Krankenhäusern deutlich weniger Investitionen vorgenommen wurden, sind diese nun nicht mehr zu verschieben (+64 Prozent). Dabei stehen wohl verstärkt Sanierungsmaßnahmen im Fokus. Intensivstationen werden aufgestockt. 

Im letzten Jahr war wegen der verstärkten Nutzung von Homeoffice die Beantragung von Genehmigung von Büroflächen eingebremst. Nun sehen wir hier wieder Zuversicht in den Bau von Bürogebäuden (+12 Prozent).

Für 2021 rechnen wir im Wirtschaftsbau mit einem Umsatz von 50,3 Milliarden Euro (+1 Prozent nominal).

Wir messen dem starken Orderzugang und den hohen Auftragsbeständen (+10 Prozent) bei unserer Prognose für 2022 ein hohes Gewicht zu, verkennen aber auch nicht die derzeit eher schwachen Genehmigungssignale aus Handel und Industrie. Die wieder stark ansteigenden Infektionszahlen können zu Ausfällen von Mitarbeitern und damit zu weiteren Störungen der Logistikketten führen. Die Entwicklung im Wirtschaftsbau hängt im besonderen Maße von der Eindämmung der Pandemie ab.

Für 2022 erwarten wir im Wirtschaftsbau einen Umsatz von 53,3 Milliarden Euro (+6 Prozent nominal). Dabei gehen wir auch davon aus, dass die neue Bundesregierung mit ihrem Ziel der Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene die bisherigen Planungen zu den steigenden Investitionen bei der Bahn beibehalten wird. Dies stützt den Wirtschaftstiefbau.

Öffentlicher Bau

Die Umsatzentwicklung im öffentlichen Bau hat in 2021, wie von uns erwartet, nicht das Vorjahresniveau halten können. Wir rechnen hier mit einem Umsatz von 37,8 Milliarden Euro (-3 Prozent nominal).

Während es den Kommunen - Dank des von Bund und Ländern aufgespannten Rettungsschirmes - im Jahr 2020 noch gelang, ihre geplanten Investitionsbudgets umzusetzen, fehlte es an entsprechenden Sicherungsinstrumenten in 2021. Die kommunalen Bauinvestitionen stehen für immerhin 60 Prozent der Bauinvestitionen der öffentlichen Hand. 

Steigende Ausgaben bei Personal und sozialen Aufwendungen haben die Investitionen in Baumaßnahmen eingeschränkt. Der Investitionsstau bei den Kommunen hat sich bei 150 Milliarden Euro verfestigt. Davon entfallen 80 Milliarden Euro auf Neubau und Sanierung von Schulen und Straßen.

Nach aktueller Finanzlage gehen die kommunalen Spitzenverbände für das Jahr 2022 von einem Rückgang der Bauinvestitionen um fast 9 Prozent aus. Damit wird der Investitionsstau weiter anwachsen. Das ist nicht hinnehmbar. Intakte kommunale Infrastrukturen – Schulen, Straßen, Energieversorgung, kommunale Verwaltungsgebäude und vieles mehr – gehören zur Daseinsvorsorge vor Ort, prägen Bildung und Mobilität.

Wir halten es daher für folgerichtig, dass sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag zur Unterstützung kommunaler Investitionstätigkeit bekennt und die strukturellen Probleme der Kommunalhaushalte auflösen will. Hier braucht es aber einen Schulterschluss von Bund und Ländern.

Im Jahr 2021 wurde der Systemwechsel bei der Autobahn vollzogen, von der Auftragsverwaltung der Länder zu einer bundesunmittelbaren Verwaltung. Die Autobahnen werden nun in alleiniger Verantwortung der Autobahn GmbH des Bundes geplant, gebaut, erhalten, betrieben und finanziert. 

Die Herausforderungen einer solchen Verwaltungsreform sind groß. Wir haben hier in diesem Jahr noch Reibungsverluste gesehen. Unsere im Autobahnbau tätigen Unternehmen haben in 2021 einen geringeren Auftragsflow als in den Vorjahren verzeichnet. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes liegen die Order im Straßenbau bis zum September real um 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Wir halten es für notwendig und begrüßen, dass die Bundesregierung die Investitionen in die Infrastruktur weiter erhöhen und langfristig absichern will. Das gibt unseren Unternehmen auch die notwendige Planungssicherheit zum Ausbau der Kapazitäten. 

Der Fokus muss auch im Straßenbau auf einer klimagerechten Bau- und Investitionspolitik liegen. Die Straße wird auch in 2050 immer noch der wichtigste Verkehrsträger sein. Der Straßenbau darf daher nicht vernachlässigt werden. Neben dem dringend notwendigen Erhalt muss auch der Ausbau und teilweise Neubau der Bundesfernstraßeninfrastruktur zu Engpassbeseitigungen oder für den Ersatzneubau weiter gewährleistet werden.

Wir begrüßen, dass die Bundesregierung eine Anregung unserer Verbände aufnimmt, zwischen Bund und Autobahn GmbH eine mehrjährige Finanzierungsvereinbarung abzuschließen. Damit wird mehrjährige Planungssicherheit geschaffen.

Für 2021 rechnen wir mit einem Umsatz im Öffentlichen Bau von knapp 38 Milliarden Euro, dies ist ein Rückgang um nominal 3 Prozent. Für 2022 erwarten wir dann 38,6 Milliarden Euro, eine schwache nominale Steigerung um 2 Prozent. Den hohen Auftragsbeständen stehen die engen Handlungsspielräume der Kommunen gegenüber. Hier braucht es schnell eine konkrete Umsetzung der von der Bundesregierung avisierten Unterstützung der Kommunen.

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Konjunkturprognose 2022

Für 2021 erwartet der ZDB einen Umsatz im Bauhauptgewerbe auf dem Niveau des Jahres 2020 bei ca. 140 Mrd. Euro.