Baukonjunktur im Juli 2017: Orderzugang im Bauhauptgewerbe in allen Bausparten belebt

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes zum Juli 2017 verzeichnen die Unternehmen des Bauhauptgewerbes weiter eine solide Auftragslage.

Zum Jahresende 2016 hat das Statistische Bundesamt die Aufschätzung zur Konjunkturentwicklung für alle Betriebe im Bauhauptgewerbe (Umsatz, Arbeitsstunden, Beschäftigte) eingestellt. Bereitgestellt werden nur noch die Daten für Betriebe ab 20 Beschäftigten.

Für diesen Meldebereich liegt der Umsatz im Juli bei 7,2 Mrd. Euro und damit um 11 % über dem Vorjahresniveau. Kumulativ hält das Umsatzwachstum damit weiter bei gut +10 %. Dieser Wert erscheint allerdings überzeichnet. Zumindest liegt die Umsatzentwicklung nach dem ebenfalls vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Mixmodell für den Umsatz aller Betriebe, der bisher nur bis Juni vorliegt, mit gut 6 % deutlich unterhalb der Entwicklung der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten. (Das Statistische Bundesamt hat die Berichterstattung zum Konjunkturverlauf im Bauhauptgewerbe ab dem Berichtsmonat Januar 2017 auf ein „Mixmodell“ umgestellt. Im Mixmodell werden die Daten des Monatsberichts für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten um Verwaltungsdaten für die Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten ergänzt. Zu den Verwaltungsdaten gehören Umsatzdaten der Finanzverwaltung und Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit. Das Ergebnis dieses sogenannten Mixmodells entspricht dann praktisch einer Totalzählung. Die Ergebnisse für den Umsatz und die Beschäftigten in allen Betrieben werden vom Statistischen Bundesamt nur in Form von Messzahlen und Veränderungsraten veröffentlicht.)

Der Orderzugang hat sich im Juli wieder belebt (+7,4 %), nachdem er in den Vormonaten nur gut auf Vorjahresniveau lag. Die Auftragslage erweist sich damit insgesamt weiter als solide. (Die Auftragsbestände lagen zum Halbjahr um ca. 18 % über dem Vorjahresvergleichswert; (siehe Monatsbericht Juni)). Allerdings gibt es regional unterschiedliche Entwicklungen. Während der Orderzugang in Berlin kumulativ im Vorjahresvergleich deutlich geringer ausfällt (-19 %), (im Wohnungsbau (-27 %) und im Gewerbebau (-29 %)), legt er in Bayern um 10 % und in NRW um 16 % zu; (Zuwächse dabei jeweils in allen Sparten).

Im Folgenden wird die Bewertung der Konjunkturentwicklung auf die verfügbaren Daten für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten abgestellt.

In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab.

Der Umsatz im Wohnungsbau ist auch im Juli weiter gestiegen (+11 %). Mit kumulativ gut 9,7 Mrd. € erreichen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigen auch ein Plus von 11 %. Betriebe dieser Größenordnung haben im Wohnungsbau einen Umsatzanteil von ca. einem Drittel, bei zuletzt leicht steigender Tendenz. Sie sind stärker im prosperierenden Mehrfamilienhausbau tätig, als die kleineren Unternehmen, die ihr Geschäftsfeld vorrangig im Ein- und Zweifamilienhausbau (EFH/ZFH) haben. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Baugenehmigungen stagniert die Nachfrage bei EFH/ZFH aber bestenfalls. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb die Umsatzentwicklung für alle Unternehmen (nach dem Mixmodell) hinter der der größeren Betriebe insgesamt zurückbleibt.

Bis Juli 2017 wurden insgesamt fast 200.000 WE genehmigt. Dies sind zwar 14.000 WE weniger als im Vorjahresvergleich (-6,6 %) aber immer noch deutlich mehr als in den Vorjahren; (gegenüber 2015 ca. +18 %). So ist insgesamt bei dem aktuellen Vorjahresvergleich zu berücksichtigen, dass zum Juli 2016 ein Plus von knapp 30 % gegenüber 2015 erreicht wurde. Insgesamt setzt sich die Nachfrage also auf hohem Niveau fort.

Die Nachfrage fällt besonders deutlich im Mehrfamilienhausbau aus. Hier werden mittlerweile 60 % der Baugenehmigungen beantragt. Im Jahr 2010 waren es noch 40 %. Dieses Segment betrifft insbesondere die Ballungs- und Universitätsstädte. Der Rückgang bei den Baugenehmigungen insgesamt gegenüber 2016 resultiert aus Umbaumaßnahmen (-23 %) und den beantragten Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser (-6 %).

Das Orderplus liegt im Wohnungsbau per Juli weiter bei ca. +5 %. Der Vorsprung ist allerdings nicht für alle Bundesländer repräsentativ. Speziell in Berlin erreicht der Orderzugang nicht annähernd das Niveau des Vorjahres.

Der Umsatz im Wirtschaftsbau ist im Juli kräftig gestiegen (+17 %). Mit kumulativ knapp 17 Mrd. € erreichen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigen ein Plus von ca. 10 %. (Hier haben die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten einen Anteil von ca. 80 % am Umsatz aller Betriebe.) Dabei zeigen sowohl der anteilsstärkere Hochbau (+12,5 %) als auch der Tiefbau (+7%) ansprechendes Wachstum.

Der positive Trend hält bereits seit 2016 an und kann als Beleg für eine gewachsene Investitionsbereitschaft der Wirtschaft gewertet werden. Die anhaltend gute Konjunkturentwicklung bei bereits hoher Kapazitätsauslastung dürfte der Treiber dafür sein.

Allerdings zeigt sich das Genehmigungsverlangen für neue Bauvorhaben aus der Wirtschaft im ersten Halbjahr noch recht volatil. In den letzten beiden Monaten ist wieder eine ansteigende Tendenz zu verzeichnen. Bei Bürogebäuden (+68 %) und Handelsgebäuden (+29 %) gab es, bemessen nach Baukosten, im Juli kräftige Zuwächse. Bei den Bürogebäuden erscheint das Genehmigungsverlangen mittlerweile mit stabiler Aufwärtstendenz.

Der Orderzugang fasste im Juli wieder Fuß - nachdem in den letzten Monaten die hohen Vorjahreswerte nicht mehr erreicht wurden, gingen im Juli knapp 8 % mehr Order ein. Kumulativ sind es per Juli +5 %; repräsentativ sowohl für Hoch- als auch Tiefbau.

Auch der öffentliche Bau bleibt weiter in der Erfolgsspur. Mit kumulativ gut 13 Mrd. € erreichen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigen beim Umsatz ein Plus von ca. 10 %; Hoch- und Tiefbau haben hieran etwa gleichermaßen Anteil. (Im öffentlichen Bau haben die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten einen Anteil von fast 90 % am Umsatz aller Betriebe.) Die sich bereits im letzten Jahr zeigende Belebung der Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand setzt sich fort. Dies zeigt sich auch beim Orderzugang, der im Hochbau kumulativ ein Plus von ca. 10 % zum Vorjahr aufweist. Hier schlagen sich auch die vom Bund bereitgestellten Mittel zur Kommunalinvestitionsförderung nieder. Nach den Auswertungen des Bundesfinanzministeriums stehen hier immer noch erhebliche Mittel zum Abruf bereit. Den Tiefbau, mit einem Orderplus von ca. 6 %, stützt der nachhaltige Investitionshochlauf des Bundes bei der Infrastruktur.

Die Zahl der Beschäftigten legt im Bereich der monatlich meldenden Betriebe im Jahresverlauf stetig um gut 6 % zu. Das ist nach wie vor etwa doppelt so viel, wie nach dem Mixmodell für alle Beschäftigten des Bauhauptgewerbes ausgewiesen wird.