Baukonjunktur im ersten Quartal 2017: Intensive Bautätigkeit, bei guter Auftragslage

Das Bauhauptgewerbe war mit einem guten Auftragspolster von knapp 35 Mrd. € (+23 % gegenüber Vorjahr) in das Jahr gestartet. Bei insgesamt günstiger Witterung lief die Bautätigkeit zügig an. Dies führte zu gegenüber dem Vorjahr gestiegenen Umsätzen. Gleichwohl bleibt die Nachfrage hoch. So starten die Bauunternehmen mit einem Auftragsbestand von gut 40 Mrd. € ins zweite Quartal (Differenz zum Vorjahr ca. +8 Mrd. €; entspricht +24 %)

Zum Jahresende 2016 hat das Statistische Bundesamt die Aufschätzung zur Konjunkturentwicklung für alle Betriebe im Bauhauptgewerbe (Umsatz, Arbeitsstunden, Beschäftigte) eingestellt. Bereitgestellt werden nur noch die Daten für Betriebe ab 20 Beschäftigten. Für diesen Meldebereich liegt der Umsatz per März mit 12,9 Mrd. € um ca. 12 % über dem Vorjahreswert. Dieser Wert erscheint allerdings überzeichnet. Zumindest liegt die Umsatzentwicklung nach dem ebenfalls vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Mixmodell für den Umsatz aller Betriebe, der bisher nur bis Februar vorliegt, deutlich unterhalb der Entwicklung der Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten. (Das Statistische Bundesamt hat die Berichterstattung zum Konjunkturverlauf im Bauhauptgewerbe ab dem Berichtsmonat Januar 2017 auf ein „Mixmodell“ umgestellt. Im Mixmodell werden die Daten des Monatsberichts für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten um Verwaltungsdaten für die Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten ergänzt. Zu den Verwaltungsdaten gehören Umsatzdaten der Finanzverwaltung und Beschäftigtendaten der Bundesagentur für Arbeit. Das Ergebnis dieses sogenannten Mixmodells entspricht dann praktisch einer Totalzählung. Die Ergebnisse für den Umsatz und die Beschäftigten in allen Betrieben werden vom Statistischen Bundesamt nur in Form von Messzahlen und Veränderungsraten veröffentlicht).

Im Folgenden wird die Bewertung der Konjunkturentwicklung auf die verfügbaren Daten für Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten abgestellt.

In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab.

Der Umsatz im Wohnungsbau verzeichnet weiter kontinuierliches Wachstum. Mit gut 3,2 Mrd. € erreichen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigen ein Plus von ca. 11 %. Betriebe dieser Größenordnung haben im Wohnungsbau einen Umsatzanteil von ca. einem Drittel, bei zuletzt leicht steigender Tendenz. Sie dürften hier vorrangig im Mehrfamilienhausbau tätig sein, wohingegen die kleineren Unternehmen im Ein- und Zweifamilienhausbau (EFH/ZFH) dominieren. Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes zu den Baugenehmigungen stagniert die Nachfrage bei EFH/ZFH aber bestenfalls.

Im ersten Quartal 2017 wurden insgesamt ca. 79.200 WE genehmigt. Dies sind zwar ca. 5.600 WE weniger als im Vorjahresvergleich (-6,6 %), aber immer noch deutlich mehr als in den Vorjahren; (gegenüber 2015 ca. +22 %). So ist insgesamt bei dem aktuellen Vorjahresvergleich zu berücksichtigen, dass zum März 2016 ein Plus von über 30 % gegenüber 2015 erreicht wurde. Insgesamt setzt sich die Nachfrage auf hohem Niveau fort.

Das zeigt besonders die Entwicklung im Neubau von Wohneinheiten im Mehrfamilienhausbau. Dieses Segment betrifft insbesondere die Ballungs- und Universitätsstädte, also die Räume, in denen die Nachfrage in den letzten Jahren dynamisch angezogen hat: Mit 37.600 WE; +5,5 % kumulativ zu März 2016, wurde der höchste Wert seit dem ersten Quartal 1997 erreicht. Auch bei Wohnheimen hält der positive Trend an. Hier ist ein Plus von über 2 % zu verzeichnen.

Der Rückgang gegenüber 2016 resultiert aus Umbaumaßnahmen (-28 %) und den beantragten Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser (-14 %). Wenngleich die Rückgänge dramatisch klingen, relativiert sich der Eindruck unter Berücksichtigung der jeweils exorbitant hohen Vorjahreswerte. So wurden im Vorjahr +35 % bei WE in Umbauten und +24 % bei Ein- und Zweifamilienhäusern registriert. Bei Eigenheimen wurden die Werte von 2015 in diesem Jahr wiederum deutlich übertroffen (ca. +7 %), bei Umbaumaßnahmen nur knapp verfehlt. Für Eigenheime kann damit weiterhin mit einer jährlichen Beantragung von deutlich über 100.000 WE gerechnet werden. Damit setzt sich ein stabiler Trend seit Jahren fort.

Ein Auftragsbestand der zum Ende des ersten Quartals um 28 % über dem Vorjahreswert liegt, lässt eine Fortsetzung der positiven Umsatzentwicklung erwarten. Die Umsatzprognose für 2017 im Bereich Wohnungsbau von +7 % kann nach derzeitiger Datenlage gut erreicht werden.

Der Umsatz im Wirtschaftsbau zeigte im ersten Quartal ebenfalls eine stabil positive Entwicklung. Mit gut 5,8 Mrd. € erreichen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigen ein Plus von ca. 11 %. (Hier haben die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten einen Anteil von ca. 80 % am Umsatz aller Betriebe.) Dabei zeigen sowohl der anteilsstärkere Hochbau (+12,6 %) als auch der Tiefbau (+8,8 %) ansprechendes Wachstum.

Bereits im gesamten Jahresverlauf 2016 zeigte die Wirtschaft eine hohe Investitionsbereitschaft. Von Januar bis Dezember 2016 stiegen die gewerblichen Hochbaugenehmigungen (veranschlagten Baukosten) um ca. 26 %. Die Order legten kumulativ im Hochbau um 15 % und im Tiefbau um 7 % zu. Diese hohe Nachfrage dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe im Jahresverlauf stetig gestiegen war und ein Niveau oberhalb des langjährigen Durchschnitts von 84 % erreichte.

Während die Baugenehmigungen am aktuellen Rand eine Seitwärtsbewegung zeigen, sind die Auftragsbücher noch gut gefüllt. Im Hochbau liegt der Auftragsbestand um fast ein Drittel höher als vor Jahresfrist. Im Tiefbau liegt der Auftragsbestand bei 6 Mrd. € und damit um ca. 1 Mrd. € über dem Vorjahreswert (+18 %).

Die Umsatzprognose für 2017 im Bereich Wirtschaftsbau von +3 % wird nach derzeitiger Datenlage mindestens erreicht.

Die höchsten Zuwachsraten bei der Umsatzentwicklung verbucht der öffentlichen Bau. Mit gut 3,9 Mrd. € erreichen die Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigen ein Plus von über 12 %. (Hier haben die Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten einen Anteil von fast 90 % am Umsatz aller Betriebe.) Hervorhebenswert ist dabei, dass der anteilsstarke Tiefbau mit einem Wachstum um fast 14 % die deutlichsten Impulse gibt.

Die sich bereits im letzten Jahr zeigende Belebung der Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand setzt sich fort. Die finanzpolitischen Voraussetzungen sind günstig. Im Jahr 2017 sollen die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden nach der aktuellen Schätzung vom Mai 2017 abermals einen neuen Rekordwert erreichen und das Vorjahresniveau um ca. 30 Mrd. € übertreffen.

Nachdem die Investitionen des Bundes in die Verkehrsinfrastruktur bereits im vergangenen Jahr deutlich aufgestockt wurden, stehen im laufenden Jahr nochmals 450 Mio. € mehr zu Verfügung.

Mit einem Auftragspolster von +21 % gehen die Unternehmen im öffentlichen Tiefbau ins zweite Quartal. Ein stabiles Umsatzwachstum wird sich hier fortsetzen.

Die Umsatzprognose für 2017 im Bereich Öffentlicher Bau von +5 % wird nach derzeitiger Datenlage mindestens erreicht.