Baumarkt 2017

Die deutsche Bauwirtschaft hat in der 18. Legislaturperiode, von 2014 bis 2017, real über 1 Billion € an Bauinvestitionen umgesetzt. Das waren fast 5 % mehr als im Vierjahreszeitraum davor.

Eine kontinuierlich steigende Nachfrage war dabei im Wohnungsbau zu verzeichnen. Sie gründet sich auf einen Nachholbedarf und den Zuzug in Ballungsräume. Im Wirtschaftsbau ist die Nachfrage angesichts anhaltend hoher Auslastungen der Kapazitäten in 2017 erkennbar angesprungen. Und im öffentlichen Bau schlagen sich schließlich die steigenden Investitionsbudgets des Bundes in die Infrastruktur nieder. Die Budgets wurden erhöht, nachdem der unzureichende Zustand von Straßen und Brücken nicht mehr zu ignorieren war.

Wir erwarten, dass die Nachfrage nach Bauleistungen auch in der laufenden Legislaturperiode auf hohem Niveau verbleibt. Beleg für die anhaltend intensive Bautätigkeit ist die hohe Geräteauslastung in unserer Branche. Nach der Ifo-Konjunkturumfrage lag sie jahresdurchschnittlich in 2017 bei fast 80 % und toppte damit noch einmal den Vorjahreswert. Die anhaltende Baunachfrage hat die Investitionsneigung der Bauunternehmen deutlich erhöht. Bereits für 2016 hat das Statistische Bundesamt eine Steigerung der Investitionen der Bauunternehmen in Sachanlagen von ca. 17 % ausgewiesen.

Nicht nur der Maschinenpark wird „aufgerüstet“. Das Bauhauptgewerbe hat in den letzten Jahren kontinuierlich Beschäftigte neu eingestellt. Nach dem dramatischen Anpassungsprozess im Bauhauptgewerbe von 1995 bis 2005, der bis 2009 mit einem Abbau der Hälfte der Beschäftigten auf ca. 705.000 Beschäftigte einherging, verzeichnen wir für 2017 ca. 807.000 Beschäftigte. Damit hat das Bauhauptgewerbe bereits wieder 100.000 Beschäftigte hinzugewonnen. Die Daten belegen, das Bauhauptgewerbe passt seine Kapazitäten sukzessive einer stabilen Nachfragesituation an und wird das auch weiterhin tun. Für 2018 rechnen wir mit einem jahresdurchschnittlichen Bestand von ca. 820.000 Beschäftigten.

Der Bauboom stellt nicht nur die Bauunternehmen vor neue Herausforderungen. Über viele Jahre hatte die öffentliche Hand ihre Planungs- und Steuerungskapazitäten deutlich niedrigeren Investitionsbudgets angepasst und Personal abgebaut. Das Deutsche Institut der Wirtschaft hat den Personalabbau in der öffentlichen Verwaltung untersucht und kam zu dem Befund, dass die Zahl der mit Fragen zum Aufgabenbereich, Bau, Wohnungswesen, Verkehr befassten Beschäftigten in den kommunalen Verwaltungen zwischen dem Jahr 1991 und dem Jahr 2011 um gut ein Drittel zurückging.

Die Bereitstellung von planfestgestellten, ausschreibungsreifen Baumaßnahmen im Straßen- und Tiefbau muss in den nächsten Jahren zügig vorankommen. Der ZDB hat daher die Initiativen des BMVI zur Umsetzung der Empfehlungen des Innovationsforums Planungsbeschleunigung begrüßt. In dem Kontext, Investitionen schneller auf die Straße zu bringen, sehen wir auch die Gründung der Infrastrukturgesellschaft des Bundes. Der ZDB begrüßt das Standortkonzept von Verkehrsminister Scheuer, nach dem zehn Niederlassungen und 30 dauerhafte Außenstellen gegründet werden sollen. Damit wird die regionale Verantwortung gestärkt sowiedie Fachkompetenz und die erfolgreiche Kooperation vor Ort bleiben weiter nutzbar.

Keinen Lösungsansatz sehen wir in einer forcierten Umsetzung von Straßenbauinvestitionen des Bundes in ÖPP. Die Koalition hat sich zum Nachteil des heimischen Baumittelstandes darauf verständigt, die bereits in der letzten Legislaturperiode geplanten ÖPP-Projekte weiter zu realisieren. Die bisherige Vergabe der ÖPP-Infrastrukturprojekte erfolgte an die immer gleichen Konsortien unter Führung internationaler (Finanz-)Konzerne; die eigentliche Bauleistung in Deutschland erbringen dann Subunternehmer. Deswegen lehnen wir die weitere Umsetzung in dieser Form ab, denn der regionale Mittelstand hat keine Chance, sich hieran zu beteiligen. Der Bundesrechnungshof hat zudem mehrfach nachgewiesen, dass ÖPP-Projekte wesentlich teurer als herkömmliche Vergaben sind. Selbst der Europäische Rechnungshof sieht keine wesentlichen Vorteile bei ÖPP im Straßenbau.

Die Bauunternehmen sind mit vollen Auftragsbüchern in das Jahr 2018 gestartet. Unsere aktuellen Umfragen im Verbandsbereich zeigen, dass die Bauunternehmen intensiv an den Herausforderungen in allen Bausparten arbeiten. Sie erwarten im Jahresverlauf eine gute Geschäftsentwicklung. Auf Basis der per April erreichten Umsatzentwicklung und der positiv zu bewertenden Vorlaufindikatoren passt der ZDB seine Prognose zur Umsatzentwicklung für 2018 von ca. +4,0 % auf ca. +5,5 % an. Der Umsatz wird damit im Jahr 2018 fast 120 Mrd. € erreichen.

Die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen – und sie steht zu ihrer Verantwortung notwendige Investitionen in die Infrastruktur und den Wohnungsbau umzusetzen.