Die erste baubetriebswirtschaftliche Tagung des ZDB fand am 28. April 2003 in Berlin statt. Mit den Themen Finanzierung der Bauunternehmen und Agieren in der Unternehmenskrise wurden wichtige Probleme des betrieblichen Alltags aufgegriffen. Zur Unternehmensfinanzierung waren Vertreter des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), den hauptsächlichen Finanzierungsinstituten der Betriebe des Bauhandwerks, eingeladen. Sie stellten die im Hinblick auf die Anforderungen von Basel II erarbeiteten neuen Ratingkonzeptionen ihrer Häuser vor.
Gegenwärtig sind beide Verbände intensiv mit der Schulung ihrer Kreditsachbearbeiter zum neuen Rating befasst. Die Umsetzung der neuen Konzeptionen erfolgt gleitend und soll im Wesentlichen im Jahre 2004 abgeschlossen sein. Die Banken werden den Zeitraum bis 2006 nutzen, um die Treffsicherheit der neuen Algorithmen zu prüfen und zu justieren. Eine abschließende Prüfung der Systeme durch die Bankenaufsicht steht noch aus. Beide Bankverbände haben sich ausdrücklich zur Finanzierung des Baugewerbes bekannt und dies anhand der Ausweitung ihrer gesamten Kreditausreichungen des vergangenen Jahres unterstrichen. Diese Entwicklung führen sie auf die Übernahme von Kreditengagements aus dem Bereich der Privatbanken zurück. Dort seien in der Tat tendenziell Kürzungen der Volumina zu beobachten. Ein Rückzug aus der Finanzierung des Mittelstandes sei den regional aufgestellten Instituten weder möglich, noch spreche das ertragbringende Firmengeschäft dafür. Der Kontakt zwischen Bauunternehmer und Hausbank werde wegen erhöhter Transparenzer- fordernisse in der Zukunft eher intensiver.
Im Hinblick auf die mit den Basel-II-Beschlüssen möglich werdende Differenzierung in den Kreditkonditionen sei es auch, anders als bisher, möglich, Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Bonität mit Krediten zu versorgen.
Die Bankenverbände, DSGV und BVR, nehmen mit ihren neuen Ratingkonzeptionen Abstand von einer expliziten Branchenvorbenotung, wie sie bisher praktiziert wurde. Analysen hätten gezeigt, dass die Branchenbeurteilung kein trennscharfes Kriterium zur Ermittlung der Kreditausfallwahrscheinlichkeit sei. Damit können die Kunden das Ratingergebnis selbst stärker beeinflussen. Die anschließende Diskussion zu diesem Themenkomplex zeigte, dass die Unternehmer deutlichen Bedarf sehen, die von den Bankverbänden skizzierte Basel II Politik stärker an die Banken vor Ort zu tragen. In laufenden Kreditverhandlungen sei jetzt häufiger eine reservierte Haltung der Banken wahrnehmbar. Der DSGV und der BVR erneuerten diesbezüglich ihre Zusage, bei Unterrichtung über vermehrte Kreditkürzun- gen oder Kündigungen in ihrem Bereich, eine Klärung zu suchen. Es wurde vereinbart, den zwischen den Bankenverbänden und dem ZDB begonnenen Informationsaustausch zu verstetigen.
Zum Komplex Unternehmenssicherung wurde von den Referenten auf die Notwendigkeit einer vorausschauenden und betriebs- wirtschaftlich geprägten Unternehmensführung hingewiesen. Zu den Krisentreibern insbesondere in Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten gehörten:
- Unzureichende Kenntnis des im Unternehmen notwendigen Stundenverrechnungssatzes
- Mangelhafte Kalkulationen
- Unzureichendes Forderungsmanagement
- Investitionsentscheidungen aus dem Bauch
Planung, Kalkulation und Transparenz der Unternehmerentscheidungen seien jedoch vor dem Hintergrund von Basel II unverzichtbarer als je zuvor. In einem abschließenden Beitrag wurde auf der Grundlage der Insolvenzordnung darauf orientiert, das Insolvenzverfahren als Lösungsansatz aus der Krise zu nutzen, d. h. dass das Unternehmen nach einer Gesamtbereinigung weiter am Wettbewerb teilnehmen kann. Der Betriebswirtschaftliche Ausschuss (BWA) des ZDB hat sich für weitere baubetriebswirtschaftliche Tagungen ausgesprochen.
Am 22. März 2004 wird die zweite Tagung im Rahmen der Frühjahrstagung des BWA in Frankfurt oder Hamburg stattfinden. Sie wird wieder allen Unternehmen der Mitgliedsverbände des ZDB offen stehen. (gy)