Laudatio anlässlich der Verleihung des Ehrenrings des Deutschen Baugewerbes an
Dipl.-Ing. Heinrich Cordes auf dem Deutschen Baugewerbetag 2008 am 10. November 2008 in Berlin.
Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe
Anrede,
wenn ich über denjenigen Unternehmer nachdenke, den wir jetzt ehren wollen, und auf seine berufliche Laufbahn zu sprechen komme, dann fallen mir zuallerst Achterbahnen ein - aus Holz, Mehrzweckhallen – aus Holz, Häuser für den Iran - aus Holz – und selbstverständlich das Expo-Dach in Hannover, auch dieses aus Holz.
Sie sehen, wir haben es mit einem Unternehmer zu tun, der dem Werkstoff Holz in besonderer Weise verpflichtet ist.
Liebe Gäste,
wie Sie vielleicht schon vermuten, spreche ich über Heinrich Cordes, den Ehrenvorsitzenden des Bundes Deutscher Zimmermeister.
Lieber Herr Cordes, ich darf Sie zu mir auf die Bühne bitten.
Liebe Gäste,
fangen wir von vorne an:
Heinrich Cordes wurde am 1941 in Osnabrück geboren. Nach seiner Zimmerer-Lehre absolvierte er ein Ingenieur-Studium an der Bau- und Bauingenieurschule Bremen, das er 1964 erfolgreich abschloss. Anschließend ist er in den 1905 gegründeten Zimmererbetrieb seines Vaters eingestiegen, den er bald darauf eigenverantwortlich übernahm.
Sein Engagement für das Zimmererhandwerk begann Heinrich Cordes 1975 als stellvertretender Obermeister der Zimmerer-Innung Rotenburg. Diese Aufgabe nahm er drei Jahre wahr, bevor er 1978 Obermeister wurde. Angesichts des Engagements, das Heinz Cordes an den Tag legte, war es nicht verwunderlich, dass er nach elf Jahren Mitgliedschaft im Vorstand 1995 den Vorsitz des Verbandes Niedersächsischer Zimmermeister übernahm und zwölf Jahre innehatte. 1983 stieß Heinrich Cordes erstmalig zum ZDB, und zwar als Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzpolitik.
Mit großem Sachverstand hat er es verstanden, der Stimme des niedersächsischen Zimmererhandwerks auf Bundesebene Gehör zu verschaffen, fast 20 Jahre lang war er Vorstandsmitglied beim Bundes Deutscher Zimmermeister. 1997 übernahm er dann dessen Vorsitz und war damit der oberste Zimmerer der Republik. Gleichzeitig vertrat er die Interessen der Zimmerer in unserem ZDB-Vorstand. Beide Funktionen füllte er bis zum Jahr 2006 aus.
Meine Damen und Herren,
die Förderung des Nachwuchses für das Zimmererhandwerk zählte immer zu den persönlichen Anliegen von Heinrich Cordes. Ob in seinem eigenen Betrieb, ob in den Schulen Rotenburgs oder auf Bundesebene, für Heinrich Cordes ging es vor allem darum, den jungen Leuten klar zu machen, dass das Zimmererhandwerk ein moderner Beruf, mit alter Tradition aber voller High Tech ist.
Dass der Einsatz von EDV im Zimmereibetrieb nicht nur zur Nachwuchsgewinnung von großer Bedeutung ist, zeigen viele Bauwerke aus dem Ingenieurholzbau. Das Expo-Dach und die Europas höchste und schnellste Holzachterbahn wären ohne den Einsatz modernster Technik nicht zu realisieren gewesen.
Aber es geht Heinrich Cordes nicht nur darum, Nachwuchs für den eigenen Berufsstand zu gewinnen, nein er will einen Beitrag zur Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit leisten. Daher hat er auch keine Gelegenheit ausgelassen, der Politik die Versäumnisse in der Bildungspolitik vor Augen zu halten: Damit Betriebe junge Leute ausbilden können, müssen diese zuallererst ausbildungsfähig sein. Und daran hatte er aufgrund jahrelanger Erfahrung erhebliche Zweifel.
Meine Damen und Herren,
die Förderung der praxisnahen wissenschaftlichen Ausbildung im Studiengang Holztechnik des Fachbereichs Bauingenieurwesen geht in ganz besonderem Maße auf seine Initiative zurück. Für ihn war die Verbindung zur Hochschule immer von großer Bedeutung, ohne Forschung war keine Weiterentwicklung des Holzbaus möglich.
Denn Heinrich Cordes ist zutiefst davon überzeugt, dass der Werkstoff für wesentlich mehr als den Dachstuhl zu gebrauchen ist. Daher hat er auch den Fachbereich Ingenieurholzbau im BDZ aktiviert und vorangetrieben. In diesem Zusammenhang entstand auch das Zukunftsmodell einer Turn-Mehrzweckhalle aus Holz als sichtbarer Ausdruck moderner Holzbauweise. Auch die Neuauflage des Holzbaupreises, der 2001 zum ersten Mal nach langer Zeit wieder verliehen wurde, soll die Stärke des Werkstoffes Holz und seine architektonischen wie auch bautechnischen Möglichkeiten und Vielfalt deutlich machen.
Um dem Qualitätsaspekt ihm Holzbau eine nachprüfbare Dimension zu verleihen, hat Cordes als dynamischer Verbandsvorsitzender die Gründung der Qualitätsgemeinschaft Holzbau und Ausbau forciert, deren erster Vorsitzender er war; auch die Gründung der Gütegemeinschaft Holzbau-Ausbau-Dachbau fiel in seine aktive Zeit.
Für einen visionären Unternehmer wie Heinrich Cordes war schnell klar, dass sich auch Zimmereibetriebe auf den Märkten außerhalb Deutschlands tummeln müssten. Auf ihn geht daher das Gemeinschaftsprojekt Holzbau im Ausland zurück.
Dass Heinrich Cordes darüber hinaus Mitglied bzw. Vizepräsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates und seit 1985 im Vorstand des Verbandes der Nagelplattenverwender war, unterstreicht sein ehrenamtliches Engagement im Interesse seiner Zimmererkollegen auf vielfältigen Gebieten und Ebenen und gibt ein beachtenswertes Zeugnis dieser nachahmenswerten Einstellung.
Liebe Gäste,
Sie sehen, wir haben es bei unserem Jubilar mit einen profilierten Unternehmer zu tun, immer voller Ideen und Visionen für sein Handwerk, voller Tatendrang und Aktivität, gleichzeitig geprägt von Wirklichkeitsnähe und Bodenständigkeit. Er ist ein Unternehmer mit beeindruckender Überzeugungskraft wie auch von großer Toleranz. Daher ist es im Übrigen auch nicht verwunderlich, dass er Intoleranz für die größte menschliche Schwäche hält.
Heinrich Cordes verkörpert in vorbildlicher Weise den handelnden, zielorientierten Unternehmertyp, der seine unternehmerischen Führungsaufgaben als Ansporn für sein bemerkenswertes Engagement begreift. Er besitzt eine ausgeprägte Fähigkeit, sich auf neue Herausforderungen einzustellen und für sich und seine Anliegen zu nutzen.
Heinrich Cordes ist seit über einem Vierteljahrhundert ehrenamtlich für die baugewerbliche Organisation tätig. Dabei hat er sich auf Landes- und Bundesebene unbestritten große Verdienste um das Zimmererhandwerk erworben.
Dafür ist er mit der Silbernen und Goldenen Ehrennadel des Zimmererhandwerks, mit der Silbernen Verdienstmedaille des Deutschen Baugewerbes und mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden.
Liebe Gäste,
heute wollen wir Heinrich Cordes mit dem Ehrenring des Deutschen Baugewerbes auszeichnen und uns gleichzeitig bei ihm für sein jahrzehntelanges Engagement für das deutsche Baugewerbe bedanken.
Lieber Herr Cordes,
mit dem Expo-Dach in Hannover haben Sie dem modernen Holzbau wie auch dem Zimmererhandwerk ein bleibendes Denkmal gesetzt. Das können nur ganz wenige über sich sagen. Auch dafür bedanken wir uns bei Ihnen.
Sie haben einmal auf die Frage, wie Sie einen freien Tag nutzen würden, den man Ihnen schenkt, geantwortet, indem Sie gemeinsam mit Ihrer Frau Golf spielen. Wir hoffen, dass Sie nun, nachdem Sie aus den meisten Ehrenämtern ausgeschieden sind, mehr Zeit dafür haben. Wir wünschen Ihnen, dass Sie zukünftig bei bester Gesundheit noch viele Tage gemeinsam mit Ihrer Frau Ihrem Hobby frönen können.
Ich darf nun die Urkunde verlesen.