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Klimaschutz als Bauaufgabe
Dialogreihe "Industrie und Umweltschutz" des Bundeswirtschaftsministeriums
Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, eröffnete am 11. März die Konferenz „Klimaschutz als Bauaufgabe“. Die Veranstaltung ist der Auftakt zu einer Dialogreihe des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie mit unterschiedlichen Branchen, in der deren umwelt- und klimaschutzpolitische Aktivitäten vorgestellt werden und über zusätzlichen Handlungsbedarf beraten wird.

Bundesminister Glos: "Wirtschafts- und Umweltpolitik steuern nicht zwingend in gegensätzliche Richtungen. Es ist wichtig, das ganz klar zu sagen, denn hier werden immer noch vermeintliche Gegensätze künstlich hochgehalten. Die Dialogreihe soll auch zum Abbau dieser Gegensätze dienen.“

Der Schutz der Umwelt ist für die Wirtschaft Herausforderung und Chance gleichermaßen. Die Bauwirtschaft präsentiert sich dabei als innovative und zukunftsgerichtete Branche, die es verstanden hat, sich in die aktuelle Klimaschutzdiskussion mit konkreten baulichen Lösungen einzubringen. Bundesminister Glos: „Über unseren ehrgeizigen Zielen auf dem Gebiet des Umwelt- und Klimaschutzes dürfen wir nicht vergessen, dass wir den Industriestandort Deutschland nicht gefährden dürfen. Die neuen Technologien müssen sich rechnen. Ich will marktwirtschaftliche Lösungen auch in der Klima- und Energiepolitik.“

ZDB-Präsident Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein betonte in seinem Einführungsstatement, dass es darauf ankomme, sowohl im Neubau wie auch im Bestandsbau die Klimaschutzziele gleichermaßen zu erreichen. Im Gebäudesektor liegen die größeren Einsparpotenziale, die es zu nutzen gilt. Denn rund 29 Mio. Wohneinheiten und somit 75 % des Gesamtwohnungsbestandes wurden vor 1978, dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung, errichtet und weisen damit einen gewaltigen energetischen Sanierungsbedarf auf, ähnliches gilt für den Bereich der öffentlichen Gebäude, der Industrie- und Gewerbebauten. "Daher ist vor allem die energetische Sanierung des Gebäudebestandes zur Erreichung der Klimaschutzziele und erheblicher wirtschaftlicher Vorteile von großer Bedeutung.” So Loewenstein.

Im Beisein von Bundesminister Michael Glos erneuerte Loewenstein die Forderung des mittelständischen Baugewerbes, für arbeitsintensive Dienstleistungen im Bereich der Gebäudesanierung einen reduzierten Mehrwertsteuersatz einzuführen. Er erinnerte daran, dass in Frankreich zwischen 1999 und 2001 150.000 neue reguläre Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft entstanden sind, nachdem die Mehrwertsteuersätze reduziert worden waren.

“Gerade die arbeitskostenintensiven energetischen Sanierungsmaßnahmen könnten dadurch einen richtigen Schub bekommen – im Interesse des Klimaschutzes, für reduzierte Öl- und Gas-Importe - von der Eindämmung der Schwarzarbeit ganz zu schweigen.” erklärte der ZDB-Präsident.

Die verbesserte Wärmedämmung der Gebäudehülle wird zukünftig noch energieeffizientere Gebäude ermöglichen. Mit Hilfe der Nanotechnologie werden dünnschichtige Hochleistungs-Wärmedämmstoffe möglich, die auch neue Perspektiven für die nachträgliche Wärmedämmung von Altbauten und Baudenkmälern eröffnen. Mit den beschriebenen und weiteren Entwicklungen erwachsen neue Chancen für eine nachhaltige Energieeinsparung bei Gebäuden und für einen effektiven Klimaschutz.

Ab 2020 sollen im Neubaubereich weitgehend nur noch regenerative Energieträger Anwendung finden, so die Vorgabe der Bundesregierung in den Meseberger Beschlüssen. “Das setzt hochgedämmte Gebäudehüllen voraus, eben das Passivhaus.” So Loewenstein. “ Diesen Standard können wir bereits heute erfüllen. Wer zukunftsweisend bauen möchte, entscheidet sich für den Passivhaus-Standard. Nur das Passivhaus ist eine wirkliche Zukunftsimmobilie.”

Künftig wird es darauf ankommen, die erforderliche Energie für Beheizung und Warmwasserbereitung mit einem Energiemix zu erreichen. Dafür kommen nicht nur Solaranlagen und Photovoltaik in Frage, sondern auch die Nutzung der Erdwärme. “ Unsere Fachgruppe Brunnenbau, Spezialtiefbau und Geo-technik stellt derzeit eine stark wachsende Nachfrage nach Bohrungen für Geothermiesonden fest,” hob Loewenstein die Leistungen der mittelständischen Bauwirtschaft hervor. “ Eine gut gedämmten Gebäudehülle ist jedoch Voraussetzung, um die für Gebäudeheizung und Warmwasserbereitung notwendige Energie mittels Wärmepumpe und Erdsonde wirtschaftlich zu nutzen.”

Abschließend stellte Loewenstein fest: “Aufgrund einer immer enger werdenden Verzahnung der technischen Gebäudeausrüstung mit der Bautechnik, der Entwicklung von Hochleistungsdämmstoffen und mit den steigenden Ansprüchen an eine energetische Gesamtplanung werden sich Exportchancen auch für Dienst- und Werkleistungen ergeben. Die leistungsstarken Unternehmen des deutschen Baugewerbes stehen mit ihrem Know how und ihren hoch qualifizierten Mitarbeitern als Partner dafür zur Verfügung.”

Frank Dupré, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, präsentierte mit dem Infrastrukturkanal eine Möglichkeit, ressourcen- und energiesparend Leitungen unter die Erde zu verbannen. Dabei ging es sowohl um eine ökologische Abwasserentsorgung wie auch um die Energieversorgung.
Durch ein ökologisches Sanitärkonzept wird eine nachhaltige Wassernutzung bei gleichzeitiger Energiegewinnung aus „Abwasser“ erzielt. Es erfordert jedoch parallele Leitungssysteme sowohl für die Abwassertrennung und Regenwassernutzung als auch für den Nahwärmetransport. Über den Lebenszyklus einer Wohnsiedlung betrachtet müssten erdverlegte Leitungssysteme mehrfach mit hohem Aufwand erneuert werden; dieser Aufwand wird durch den Einsatz des begehbaren Infrastrukturkanals deutlich minimiert. Die Leitungssysteme sind jederzeit einsehbar und können turnusmäßig inspiziert werden. Störungen treten gegenüber erdverlegten Leitungssystemen seltener auf und können deutlich schneller entdeckt und behoben werden.

Hinzu kommt, dass die Leitungen im Infrastrukturkanal sehr gut geschützt sind, wodurch sich der Lebenszyklus der Leitungssysteme gegenüber erdverlegten Leitungen erheblich verlängert. Eine Anpassung bis hin zur Erneuerung von Leitungen ist mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich. Auch zukünftige Leitungssysteme lassen sich ohne großen Aufwand nachrüsten.
Im Infrastrukturkanal angeordnete Leitungen sind vor Erdfeuchte und Wasserangriff geschützt. Diese können wegen der möglichen Verwendung konventioneller Rohrdämm-Materialien auch bei größeren Rohrdurchmessern kostengünstig optimiert, wärmegedämmt werden. Somit sind im Infrastrukturkanal gegenüber erdverlegten Leitungen größere, strömungsgünstigere Leitungsquerschnitte möglich, wodurch Pumpenenergie einspart wird. Damit liegen die Vorteile begehbarer Infrastrukturkanäle auf der Hand: Wirtschaftlichkeit, Lebensdauer, Wartung sowie ökologische Aspekte sprechen für sich.

In seinem Schlusswort würdigte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Peter Hintze, die Bemühungen der deutschen Bauwirtschaft unter wirtschafts- und umweltpolitischen Gesichtspunkten ausdrücklich. Hintze wörtlich: „Der Schutz der Umwelt und der sparsame Umgang mit Ressourcen und Energie werden uns noch lange beschäftigen und auch das politische Handeln künftig prägen. Die Bundesregierung packt das Thema Umwelt und Klimaschutz umfassend an. Dafür brauchen wir kompetente und verlässliche Partner. Die deutsche Bauwirtschaft hat heute dokumentiert, dass sie ein solcher Partner ist.“
(ik)

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