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Treffen der BWA von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein
D–A–CH–Li
Die diesjährige Beratung der Betriebswirtschaftlichen Ausschüsse fand in Liechtenstein statt. Die Ergebnisse des Erfahrungsaustauschs wurden in einer Pressekonferenz vorgestellt. Dabei wurden zwei Aspekte beleuchtet: Kann man angesichts der verschiedenen Größenstrukturen der Länder überhaupt sinnvoll Lösungen vergleichen und werden von Deutschland nicht immer die Maßstäbe gesetzt?

Liechtenstein hat ca. 35.000 Einwohner und 32 Unternehmen im Bauhauptgewerbe. Das sind ca. 1.100 Einwohner auf ein Bauunternehmen. Deutschland hat ca. 75.000 Unternehmen im Bauhauptgewerbe und gut 82 Mio. Einwohner. Das sind ebenfalls ca. 1.100 Einwohner auf ein Bauunternehmen. Mit 935 Einwohnern je Bauunternehmen hat der österreichische Baumarkt eine etwas höhere Dichte. Mit statistisch 1.775 Einwohnern je Bauunternehmen ist in der Schweiz die niedrigste Dichte zu verzeichnen.

Die Baukonjunktur ist in den Nachbarländern in den letzten Jahren deutlich besser gelaufen. Während es in Deutschland auch in den vergangenen beiden vergleichsweise positiven Jahren nicht gelungen ist, über das Umsatzniveau von 2003 hinaus zu kommen, gibt es bei den Nachbarn eine permanente Aufwärtsentwicklung. Daher konnten Österreich, die Schweiz und Liechtenstein auch ihren Beschäftigtenstand halten, wohingegen in Deutschland die Beschäftigtenzahlen im Bauhauptgewerbe gegenüber 2003 auf 88% gefallen sind.

Für die Wettbewerbssituation auf den Baumärkten - auch untereinander - ist der zu veranschlagende Kalkulationslohn von Interesse. Der Ländervergleich nach einer vereinbarten Musterberechnung ist daher regelmäßig ein Tagesordnungspunkt des Erfahrungsaustausches. Beim Kalkulationslohn werden auf den Tariflohn eines Facharbeiters die Lohnzusatzkosten bestehend aus Soziallöhnen (z.B. Feiertagslöhne, Lohnfortzahlung bei Krankheit, 13./14. Monatsgehalt) und Sozialkosten (Beiträge für Sozialversicherung und Sozialkassen) aufgeschlagen. Das Schema macht strukturelle Unterschiede des Satzes sichtbar. Deutlich wird das Gewicht des Grundlohnes. In der Schweiz und Liechtenstein müssen trotz niedrigster Lohnzusatzkosten wegen der hohen Grundlöhne die höchsten Kalkulationslöhne veranschlagt werden. Und, obwohl die Lohnzusatzkosten in Österreich insgesamt bei über 122% liegen, fällt der Kalkulationslohn am geringsten aus, weil der Grundlohn deutlich niedriger ist als in den anderen Ländern. Deutschland liegt bei allen Positionen jeweils im Mittelfeld. Dass die Lohnkostenbelastung ein wichtiges aber nicht allein entscheidendes Kriterium für die Kalkulation eines Angebots-preises ist, zeigte sich bei der „Submission“ eines Beispielprojektes anhand des Rohbaus eines Einfamilienhauses. Hier kamen die Länder auf nahezu gleiche Nettoangebotssummen.

Die Länder sind vielfach von ähnlichen Herausforderungen betroffen. Auch in den Nachbarländern sind Gesetze in Kraft um den Energieverbrauch und die CO2-Emission zu senken. Die erstrebten Zielwerte und Wege sind dabei teilweise verschieden. In der Schweiz wird vielfach zunächst auf freiwillige Maßnahmen gesetzt. Dass dies nicht immer reicht, zeigt die mittlerweile auf der Agenda stehende Pflicht zur Nutzung von erneuerbaren Energien zur Warmwasseraufbereitung und Heizung – ähnlich wie in Deutschland. Auch die Diskussion um die Vor- und Nachteile des Verbrauchs- oder Bedarfsausweises beim Gebäudeenergieausweis ist in den Nachbarländern bekannt.

Der Erfahrungsaustausch hat gezeigt: Viele Wege führen zum Ziel. Es macht Sinn, über anderswo erfolgreich praktizierte Lösungsansätze nachzudenken. (gy)

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