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Qualitätssicherung im Planungs- und Bauprozess
Eine Veranstaltung im Rahmen des Prozesses zu einem Leitbild Bauwirtschaft
Hohe Bauqualität erfordert nicht nur die Kompetenz, sondern auch das Wollen und Können aller Marktteilnehmer diese Qualität zu produzieren. Die Besonderheit der Bauwirtschaft ist, dass die Qualität infolge der hohen Lebensdauer der Bauten vielfach erst langfristig erkennbar ist. Darüber hinaus sind viele Kunden nicht in der Lage, die Qualität zu beurteilen. Da Bauten in der Regel Unikate sind, gibt es keinen Markt für den Qualitätstest von Produkten.

Für die Teilnehmer der Veranstaltung stellte sich daher die Frage: "Kann die Qualitätsorientierung in den Regeln des Marktes verstärkt werden?"

Bauqualität als Beitrag zur Baukultur
Das Impulsreferat hielt Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin in Berlin: "Architekturqualität beginnt vor dem Bauen und Bauqualität gibt es dann, wenn alle Beteiligten sich dafür einsetzen." Gute Voraussetzungen sind gegeben, wenn es in einem Land eine Tradition für Bauqualität, eine gute Handwerkerausbildung mit einer hohen Berufs-ehre, eine qualitätsbewusste Bauherrenstruktur, durchaus Detailversessenheit bei den Beteiligten sowie ein gewisses Maß an Wohlstand gibt.
In der Historie war öffentliches Bauen identitätsstiftend und durch die Wahl von Materialien, die natürlich altern, auch Standards setzend. Heute zieht sich das öffentliche Bauen im wesentlichen auf Kulturbauten zurück. Die Angst vor Verfahrens-
klagen geht zu Lasten von subjektiven Entscheidungen für die Bauqualität. Wichtige Schwerpunkte sind heute Nutzerqualität und Nachhaltigkeit. Der Einfluss der öffentliche Hand auf den privaten Bau ergibt sich über die Prozessgestaltung. Es geht darum, Alternativen für die Bauherrenschaft aufzuzeigen und den Wettbewerb anzuregen. Über Realisierungswettbewerbe lassen sich Innovationen in der Konzeption für mehr Nutzerqualität erreichen. Insgesamt ist zwischen der reinen Gestaltqualität und der Nutzerqualität abzuwägen. Auch die Medien pflegen häufig den "Star-Kult" statt die Qualität in der Breite mit anzuregen.

Die Strategien der Qualitätssicherung und -kontrolle aus der Sicht der Planung erläuterte Prof. Norbert Gebbecken von der Universität der Bundeswehr München. "Zunächst stellt sich die Frage: Was ist Qualität? Qualität ist interpretationsfähig und relativ." Das Grundprinzip der Qualitätsplanung ist die Vorbeugung. Nicht Qualität kostet Geld, sondern das Beseitigen von Mängeln. Im Mittelpunkt der technischen Qualitätsdefinition steht die Meßbarkeit. Dies gilt für Standsicherheit, Gebrauchstauglichkeit, Brandschutz, Lärmschutz, ENEV, Dauerhaftigkeit, Wirtschaftlichkeit, Robustheit, Unterhaltungsaufwand, Abwesenheit von Problemen, geringes Ausfallrisiko (Tunnel, Brücken, Druckerei-Erdbeben) u.a. Die Parallelisierung von Prozessen birgt Risiken für den Planungsprozess. Hier steht der Preiswettbewerb dem Qualitätswettbewerb entgegen. Darüber hinaus gibt es eine große Diskrepanz zwischen der Planung und der abschließenden Ausführung eines Bauwerks. Mit dem fertigen Bauwerk ist der Qualitätsprozess nicht zu Ende. Der Betrieb und Unterhalt eines Gebäudes gehören mit zum Lebenszyklus. Qualitätsmanagement gilt für den gesamten Lebenszyklus der baulichen Infrastruktur! Im öffentlichen Bau sollte wieder viel mehr auf den Qualitätswettbewerb geachtet werden.

Dipl.-Ing. Hans-Jörg Peers, stellvertretender Vorsitzender vom Fachverband Hoch und Massivbau im ZDB erläuterte die Sicht der Bauausführenden Unternehmer. "Das organisierte Baugewerbe wünscht nichts mehr, als mangelfreie Häuser zu bauen, denn das bedeutet: keine Probleme bei der Abnahme, zufriedene Bauherren und Architekten, keine kostspieligen Nachbesserungen." Qualität entsteht durch Wettbewerb. Dieser stellt andere Anforderungen an den Architekten in punkto Ausführungsplänen, Leistungsbeschreibung, Materialbestimmung und Oberflächenbeschaffenheit, als bei den schlüsselfertig angebotenen Objekten, die die Bauindustrie erstellt. Peers: "Da reicht heute häufig eine Funktionsbeschreibung, den Rest erledigen die Ingenieure der Firmen, mit Bauleitern, die jeden Handschlag kontrollieren und mit seitenlangen Checklisten die Basis für die Mängelfinanzierung schaffen müssen. Das ist falsch verstandenes Kontrollverhalten und bringt uns nicht zu der erstrebenswerten Strategie der fairen Partnerschaft mit mündigen, ihren Beruf mit Freude und Sachverstand ausführenden Handwerkern, die logischerweise eine qualitativ bessere Leistung erbringen."

Auf dem Bau werden Unikate hergestellt. Das stellt hohe Anforderungen an die Kommunikation. Das deutsche Baugewerbe hat mehrere Wege beschritten, die als Strategie zur Qualitätssicherung und –kontrolle Maßstäbe setzt mit Präqualifikation, der „Aktion Meisterhaft“, das „Bauen mit IQ“ und das seit Jahren eingeführte „Qualitätsmanagement-System“ sowie die externe Zertifizierung. Eine externe Prüfung durch technische Überwachungsvereine ist aufgrund der guten Ausbildungsqualität in Deutschland überflüssig.

Die Qualitätsstrategie der Baustoffhersteller beschrieb Dipl.-Phys. Horst Zimmermann vom Bundesverband der Deutschen Beton- und Fertigteilindustrie. Für die Baustoffhersteller ergeben sich die Qualitätsanforderungen über die Anwendung bzw. Verwendung. Dabei reicht die Feststellung von Eigenschaften und Leistungsmerkmalen nicht aus. Welche Anforderungen werden an das Bauwerk gestellt? Diese technischen und wirtschaftlichen Leistungsanforderung muss der Hersteller zusammen mit dem Kunden klären. Das Problem sind die Schnittstellen am Bau. Was passiert bei der Verbindung mit anderen Baustoffen, z.B. Fenstern, Wärmedämmung, Einbauteilen usw.? Hier gibt es verschiedene Konzepte zur Sicherstellung der Baustoffqualität und auch Auffassungsunterschiede. Aus Sicht der Baustoffhersteller sind einheitliche europäische Rahmenbedingungen anzustreben, da auch der Baustoffmarkt europäisch ist.

Qualifikation der Beteiligten
Das Interesse am kompetenten Gegenüber war das Thema der kontroversen Diskussion.

Dipl.-Ing. Martina Köppe, Beratende Ingenieurin, forderte "die guten Sitten sind wieder einzuführen". Es bedarf wieder des kompetenten und fairen Gegenübers mit rechtschaffenen Ausschreibungen, Vertragsverhandlungen auf gleicher Augenhöhe, fairen Vertragsbedingungen und gerechten Verträgen. Das Bewußtsein muss wieder wachsen, dass der Planungsprozeß einen großen Anteil an der Bauqualität hat.

Alexander Beck, Freier Architekt, forderte, den Begriff der Qualität am Bau zu definieren. Es ist zu unterscheiden zwischen der Qualität der Baukultur und der Qualität des Bauwerks. Auch die Verantwortlichkeiten müssen geschärft werden. Es braucht entscheidungskompetente Bauherren, Ingenieure und Bauunternehmen.

Prof. Hans-Peter Achatzi, Architekt, sieht keine Trennung zwischen Baukultur und Bauwerk. Entschieden wird nach dem Aussehen, der Schönheit. Die zentrale Anforderung bleibt, die ästhetischen Anforderungen zu definieren. Dabei sichert der Wettbewerb der Ideen die Planungsqualität. Preisgerichte sichern die Entscheidungsqualität. Dort wird die Meßlatte definiert. Im übrigen spart ein Wettbewerbsverfahren am Ende Zeit und Geld und führt zu einer besseren Qualität. Zur Zusammenarbeit im Bauteam ist immer die Frage zu stellen, welche Interessen die jeweiligen Partner haben.

Für Dr. Sebastian Schul, Initiativkreis Neue Qualität des Bauens, ergibt sich aus dem aktuellen Leitbildprozeß die Hoffnung, das Interesse am kompetenten Gegenüber wieder zu wecken. Die Bauprozeßqualität ist gerade beim energiesparenden Bauen von entscheinder Bedeutung. Hier muss der private Bauherr selbst Kompetenz aufbauen. So kann er den Nutzen von Qualität erkennen. Das gesellschaftliche Klima muss sich Richtung von mehr Qualitätsorientierung drehen.

Vergabe und Preisgestaltung als Rahmenbedingung der Qualitätssicherung
Prof. Dr. Clemens Schramm startete mit der Aussage: Wer billig plant, baut teuer und der provokanten Gegenfrage, ob wer teuer plant, billig baut? Zwar steht zweifellos fest, dass Qualität ihren Preis hat, entscheidend ist aber die Frage nach den Kosten. Denn zunächst muss die gewünschte Qualität definiert werden: nach der Erfüllung der Anforderungen, der Mängelfreiheit, der Beschaffenheitsvereinbarung, der vertraglichen Voraussetzungen und der gewöhnlichen Verwendung. Die unterschiedlichen Bauherrenziele (Qualität, Kosten, Termin) sind damit Bestandteil der Definition.
Honorarordnungen können hierbei durch ein der Üblichkeit entsprechendes Honorar für einen angemesses Honorar, einen gerechten Preis und gegen einen ruinösen Preiswettbewerb wirken.

Im zweiten Diskussionsteil standen Kooperationen und Bauqualität im Mittelpunkt.

Für Prof. Antje Junghans, Fachhochschule Frankfurt a.M, beginnt die Qualitätssicherung für die Nutzer im Planungs- und Bauprozess. Nachhaltiges Bauen mit der Schonung von Ressourcen beinhaltet nicht nur die Auswahl von Baustoffen, sondern vor allem den späteren Betrieb, der über viele Jahrzehnte geht.

Michael Westfahl, Nemetschek AG bemängelt, dass Planungssoftware und moderne Verfahren nur ungern in die bestehende Arbeit aufgenommen werden. Der Bauprozess bleibt durch mangelnde Abstimmung und dem damit einhergehenden Mehraufwand durch Doppelarbeit ineffizient. Die USA ist beim Einsatz von Planungssoftware deutlich weiter.

Klaus Wehrle, Architekt Stadtplaner, sieht ebenfalls erhebliche Optimierungspotenziale im Bauablauf. Der Kundennutzen muss mehr herausgestellt werden. Trotzdem können komplexe Herstellprozesse über Kooperationsformen hervorragend funktionieren. Mit der Trennung von Planung und Ausführung ist zwar die Zuordnung der Verantwortung leichter, aber seine Warnung: "für den Bauprozess schädlich."
(ch)

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