Schnittstelle Baustellen-Controlling: Vom kalkulierten Bau-Soll bis zum Nachtragsmanagement
VI. Baubetriebswirtschaftliche Tagung des ZDB
Bauen kostet Geld. Zunächst das des Auftragnehmers. Er muss in Vorleistung treten. Wie sichert man als Auftragnehmer das kalkulierte Ergebnis? Welche Werkzeuge nutzen erfolgreiche baugewerbliche Unternehmen bei der Steuerung von Baustellen? Und, wie erkennt man als Auftragnehmer systematisch Nachträge und dokumentiert und fordert sie rechtssicher?
Die praxisgerechte Gestaltung der Kette vom Angebot bis zum Nachtrag war Gegenstand der VI. Betriebswirtschaftlichen Tagung des ZDB. Neben Anregungen aus der Beratungspraxis und Wissenschaft trugen Unternehmer ihre Erfahrungen aus der Anwendung von Werkzeugen zum Baustellen-Controlling vor. Die behandelte Thematik „Baustellen-Controlling“ war eine thematische Fortsetzung der letztjährigen Tagung, in deren Fokus das Unternehmens-Controlling stand.
Der Beitrag von Prof. Nagel war auf die Angebotsbearbeitung bis zum vertraglichen Bau-Soll gerichtet. Er hatte seinem Beitrag den provokanten Titel „Schätzen – raten – spekulieren?“ gegeben. Nachgegangen wurde der Frage, welche Informationen zur Angebotserarbeitung vorliegen, welche Bringschuld hier der Auftraggeber hat und welche Pflichten der Auftragnehmer. Dargestellt wurden Anspruchsvoraussetzungen für Vergütungen und verschiedene Kalkulationsverfahren.
In den Praxisbeiträgen aus dem Hochbau und Tiefbau ging es dann um praktikable Werkzeuge zum Baustellen-Controlling. Hier wurden auch zwei Softwaresysteme – das vom Baurechenzentrum Nürnberg (BRZ)und das System BAU-SU demonstriert. Dabei ging es um:
• die Übernahme der Daten aus der Kalkulation: Budgets, Sollkosten;
• die Ermittlung des Leistungsstandes;
• Budgetkontrolle, Abweihungsanalyse und Projektsteuerung.
Als erster Baupraktiker berichtete der Prokurist der Bauunternehmung Dietz + Strobel GmbH, Rannert, wie mit Hilfe der im Unternehmen angewandten strukturierten Kalkulation mit Leistungsverzeichnis-Stammdaten eine große Anzahl von Angeboten zügig kalkuliert werden kann.
Der Geschäftsführer der MDM-Lärmschutz GmbH, Dickhut, stellte die betriebliche Organisation einer aktuellen Datengewinnung und Auswertung in Mittelpunkt seines Vortrages.
Die abschließenden Beiträge von Prof. Supe und Herrn Johannink waren dem systematischen Nachtragsmanagement gewidmet. Dabei wurde sichtbar, dass es insgesamt 27 Fallgestaltungen zur Modifizierung des Bau-Soll durch Bestellungsänderung geben kann.
Eine Softwarelösung, mit der es gelingt diese Vielfalt zu bewätigen, wurde demonstriert.
Die Beteiligung von 100 Zuhörern war ein Beleg dafür, dass die Baubetriebswirtschaftliche Tagung wieder aktuelle Probleme aus dem betrieblichen Alltag aufgegriffen hat. Die Diskussionen im Plenum wie auch in den Pausen zeigten, dass die Vorträge Nachdenkens wertes vermittelten und pointiert dargeboten wurden.
(gy)