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Jungunternehmer-Tagung 2008
Am 29. Februar 2008 und am 1. März 2008 in Düsseldorf.
Die jungen Bauunternehmer und -unternehmerinnen trafen sich zu ihrer jährlichen Jungunternehmer-Tagung in diesem Jahr in Düsseldorf.

Die Tagung startete mit einem Highlight, nämlich der Besichtigung des Braunkohletagebaus in Garzweiler. Dieser erstreckt sich westlich von Grevenbroich im Kreis Neuss bis zur Autobahn 44 (Aachen-Düsseldorf). Die Braunkohle ist dort in drei Flözen abgelagert, die zusammen durchschnittlich 40 Meter stark sind. Die Kohle liegt zwischen 40 und 160 Meter tief unter der Erdoberfläche. Sie dient ausschließlich zur Stromerzeugung in den nahe gelegenen Kraftwerken.

Zur Sicherung der Energieversorgung wird der Tagebau seit Anfang 2006 in westlicher Richtung nahtlos in das 48 Quadratkilometer große Anschlussfeld Garzweiler II fortgeführt. Dort lagern in maximal 210 Metern Tiefe 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle, die bis 2044 abgebaut werden sollen und rund 40 Prozent der rheinischen Braunkohlenförderung ausmachen. Im Zuge des Übergangs in das Anschlussfeld hat RWE Power auf der Höhe des Autobahndreiecks Jackerath und damit im Südwesten des Abbaufeldes einen neuen Bandsammelpunkt errichtet. Besonders beeindruckt waren die Gäste von der Größe der Schaufelradbagger, der rund 70 km Bandanlagen, die die Kohle mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 bis 27
km/h bewegen, und vor allem von der Logistik, die den Tagebau Tag und Nacht in Bewegung hält.

Hubert Schlun, Präsident der Baugewerblichen Verbände Nordrhein, hieß die jungen Unternehmer und Unternehmerinnen willkommen. In seinen kurzen Begrüßungsworten betonte er vor allem den Wert der Präqualifikation als wichtigen Beitrag zum Bürokratieabbau.

Halstenberg: Planen und Bauen in Deutschland
Am Nachmittag des ersten Tages gab es einen äußerst informativen Vortrag von Ministerialdirektor Michael Halstenberg, Abteilungsleiter Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zur Zukunft des Bauens und Planens in Deutschland. Im ersten Punkt seines Vortrags hob Halstenberg die Bedeutung der Bauwirtschaft als Schlüsselbranche hervor. Er machte dies an mehreren Punkten fest: So habe das reale Bauvolumen 2007 bei 241 Mrd. Euro gelegen. Der Anteil der Bauinvestitionen an den gesamten Bruttoanlageinvestitionen liege bei rd. 53 %. Der Haushalt des BMVBS sei der mit Abstand größte Investitionshaushalt des Bundes und mache über 50 % der Investitionen des Bundes aus. In der Bauwirtschaft seien rd. 1,8 Mio. Menschen beschäftigt. Wachstumspolitisch liege die Bedeutung der Bauwirtschaft in der Bereitstellung einer weit gefächerten, guten Infrastruktur als zentralem Standortfaktor; konjunkturpolitisch sei die Baubranche der Schlüsselsektor zur Ankurbelung und Stabilisierung der Binnennachfrage. Auch arbeitsmarktpolitisch hat die Bauwirtschaft einiges zu bieten: 1 Mrd. Euro Bauvolumen schafft bzw. sichert die Arbeit für rd. 26.000 Beschäftigte. Gleichzeitig beinhaltet die Bauwirtschaft ein hohes Potenzial für Produkt- und Verfahrensinnovationen.

Die Bundesregierung unterstützt die Bauwirtschaft durch vielfältige Aktivitäten: Die Investitionen zum bedarfsgerechten Erhalt und zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur seien deutlich erhöht und verstetigt worden, um 4,3 Mrd. Euro allein in dieser Legislaturperiode. Hinzu kämen 1,4 Mrd. Euro jährlich für energiesparende Investitionen im Gebäudebestand, immerhin auch 5,6 Mrd. Euro in dieser Legislatur. 200 Mio. Euro werden für Forschung und Entwicklung locker gemacht. Aber: Trotz konjunktureller Stabilisierung muss sich die Bauwirtschaft strategischen Herausforderungen stellen. Denn die demografische Entwicklung löst, so Halstenberg, erheblichen, differenzierten Baubedarf aus: Rückläufige Haushaltsgrößen führten bei gleichzeitiger Zunahme der Wohnungsgröße zu einer steigenden Wohnflächennachfrage, trotz Bevölkerungsrückgangs. Zusätzlich entstehe Bedarf an altengerechtem Wohnraum. Die alternde Gesellschaft verändert die Nachfragestruktur nach öffentlichen Gütern, so dass z.B. die Verkehrsinfrastruktur der Mobilität im Alter angepasst werden muss. Das gleiche gilt für die Ver- und Entsorgungsnetze. Einzelne Bausparten wie Sanierung, Renovierung sowie bau- und wohnbegleitende Dienstleistungen gewinnen dadurch an Bedeutung.

Gleichzeitig stehen die hoch entwickelten Volkswirtschaften vor neuen Herausforderungen. Zu nennen ist die zunehmende Bedeutung von Mobilität, Transport und Logistik. Das erfordert eine permanente Anpassung der Qualifizierungsprofile der Aus- und Weiterbildung an die Erfordernisse des Marktes. Diese Herausforderungen können nur von Unternehmen mit hoch qualifizierten Mitarbeitern bewältigt werden. Komplexe Aufgaben sind mit Schwarzarbeit nicht lösbar. Gerade die Umsetzung des Lebenszyklusansatzes erschließt innovative Handlungsfelder für Bauunternehmen. Dieser darf aber nicht auf PPP-Projekte beschränkt werden, sondern die Wirtschaftlichkeit von Bauprojekten muss insgesamt stärker im Vordergrund stehen. Der Lebenszyklusansatz kann nur funktionieren, wenn gleichzeitig effektive Kommunikationsstrukturen entlang der Wertschöpfungskette implementiert werden. Dazu gehört auch eine enge Verzahnung von planender und bauausführender Wirtschaft, von Bauzulieferindustrie und unterstützenden Dienstleistern.

Zum Ende seines Vortrags ging Michael Halstenberg auf die Entwicklung eines Leitbildes Bauwirtschaft ein: Dieses solle das Image der gesamten Branche positiv stärken, den Strukturwandel vorantreiben und Orientierung sowie Impulse für eine Produktivitäts- und Qualitätssteigerung der gesamten Wertschöpfungskette geben. Der Leitbildprozess soll Ende diesen Jahres abgeschlossen sein, so dass die gesamte Bauwirtschaft ihre Positionen geschlossen in die politische Diskussion einbringen kann.

Nach diesem Vortrag entspann sich eine angeregte Diskussion, die im wesentlichen um zwei Themenfelder kreiste, nämlich öffentliche Vergaben und Qualitätsstandards. Dabei betonte Halstenberg, ebenso wie Hubert Schlun dies eingangs bereits getan hatte, dass die Präqualifikation ein Instrument zur Verbesserung der Qualität öffentlicher Bauaufgaben sei und appellierte an die anwesenden Unternehmer, dieses auch für das eigene Unternehmen zu nutzen. Gerade im Hinblick auf die Steigerung der Qualität in der gesamten Bauausführung kritisierte Halstenberg ausdrücklich die Abschaffung der Meisterpflicht in einigen wesentlichen Handwerken sowie die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen im Bereich Bauingenieurwesen.

Chancen im Auslandsbau
Nach diesem politischen Teil standen am Samstag Vormittag zwei Vorträge auf dem Programm, die auf die betriebliche Praxis der Unternehmer zielten.
Zunächst berichtete Heinz G. Rittmann, Abteilungsleiter Wirtschaft und EDV bei den Baugewerblichen Verbänden Nordrhein, über seine Erfahrungen im Bereich des Auslandsbau. In einem anregenden Vortrag erläuterte er, welche Chancen die ausländischen Märkte böten. Mittlerweile seien eine Vielzahl von Unternehmen auf verschiedenen Märkten in Europa, im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika tätig. Dabei lägen z.B. die Stundensätze für Zimmerer und Dachdecker in Großbritannien bei ca. 77 €, für Stuckateure bei ca. 60 €. Eine Umsatzrendite von rund 30 % sei bei Infrastrukturprojekten in Afrika ab ca. 5 Millionen € Projektvolumen keine Seltenheit. Angesichts dieser Zahlen warnte Rittmann jedoch davor, blauäugig und unvorbereitet an Bauprojekte im Ausland zu gehen. Gerade bei Projekten in Afrika brauche man einen seriösen Partner vor Ort, der u.a. über Kenntnisse der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Hintergründe verfüge, der Kontakte zu den lokalen Marktteilnehmern herstellen könne und der Zugang zu gewerblichen Mitarbeitern habe. Die bisherigen Joint Ventures hätten für beide Seiten Erfolge gebracht, sowohl in betriebswirtschaftlicher Hinsicht wie auch im Hinblick auf die Qualität der afrikanischen und deutschen Betriebe und deren Mitarbeiter. In diesem Zusammenhang verwies Rittmann auf die aktive, unterstützende Rolle der Baugewerblichen Verbände: Zu den Dienstleistungen gehöre das Projekt-Scouting, die (Vor-) Identifikation des afrikanischen wie auch des deutschen Partners, die Unterstützung bei der Angebotsvorbereitung wie auch der Bürgschaftsproblematik. Darüber hinaus betrieben die Verbände aktives Lobbying in Bezug auf Politik, Banken und Geberorganisationen. Rittmann appellierte an die Unternehmer, sich neuen Märkten zu öffnen und darüber nachzudenken, wo man in Zukunft noch Geld verdienen könne.

Betriebsergebnis sichern
Den Abschluss der diesjährigen Jungunternehmer-Tagung markierte Rechtsanwalt Rolf Zimmermanns, Abteilungsleiter Recht und Steuern der Baugewerblichen Verbände Nordrhein. In seinem „Wegweiser zu Ihrem Geld“ legte er den Unternehmern dar, wie sie ihre Außenstände minimieren, die Zahlungen beschleunigen sowie Forderungen absichern können. Denn je später ein Auftraggeber seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommt, desto länger müssen Unternehmer die Finanzierung des Umsatzes ausgleichen, referierte Zimmermanns. Dadurch werde wichtiges Kapital gebunden. Ist eine Forderung sogar uneinbringlich, etwa weil der Schuldner ein Insolvenzverfahren beantragt hat, müssen die so entstandenen Löcher aus eigener Tasche gestopft werden. Dabei kommt es oftmals zu sogenannten Folgeinsolvenzen (Dominoeffekt), wenn Unternehmen die entstandenen Forderungsausfälle nicht mit eigenen Mitteln ausgleichen können. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung aus der Beratung mittelständischer Unternehmen konnte Zimmermanns den Unternehmern viele nützliche und wichtige Tipps für die eigene Unternehmensführung geben, dabei sprach er wichtige Themen wie z.B. die Absicherung von Forderungen im Vorfeld, Maßnahmen vor Vertragsabschluss, das Kreditmanagement, Maßnahmen bei und nach Vertragsschluss, die Sicherheitsleistung des Bestellers gem. § 648 a BGB, Abrechnung und Zahlung der Werklohnvergütung nach VOB und BGB sowie den Bereich des Mahnwesens an.

Ein Besuch in Roncalli’s Apollo Varieté am Freitag Abend rundete eine informative und insgesamt erfolgreiche Jungunternehmer-Tagung ab.

Wer im kommenden Jahr dabei sein will, sollte sich heute schon den Termin notieren, nämlich den 27. und 28. Februar 2009. Dann trifft man sich in Wiesbaden. (ik)

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