Die Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,6 % ist verwendungsseitig auf den Schub bei der Binnennachfrage zurückzuführen, die sich besonders in gestiegen Ausrüstungsinvestitionen (+ 10 %) dokumentierte.
Die Bauinvestitionen erreichten ein Plus von 2,8 %. Die Wohnungsbauinvestitionen legten deutlich zu (+4,3 %), die Bauinvestitionen der öffentlichen Hand stiegen um 2,6 %, die Investitionen der gewerblichen Auftraggeber in Bauten hielten zumindest auf Vorjahresniveau (+0,4 %).
Stützende Faktoren bei der Steigerung der Wohnungsbauinvestitionen waren neben dem andauernden Trend zur energieeffizienten Sanierung, die Stabilität am Arbeitsmarkt, Einkommenszuwächse, historisch niedrige Finanzierungskosten und niedrige Preissteigerungsraten für die Bauherren. Die Steigerung im Wohnungsneubau erfolgte aus einem niedrigen Ausgangsniveau und zunehmender Knappheit von bedarfsgerechtem Wohnraum in Ballungsgebieten.
Entsprechend den Förderschwerpunkten der Konjunkturprogramme haben die öffentlichen Auftraggeber im öffentlichen Bau die Mittel vorrangig in Hochbauprojekte investiert. Im Tiefbau haben sie hingegen ihre Investitionen nicht auf dem Vorjahresniveau gehalten. Dies war möglich, da die Bundesregierung im Frühjahr 2010 das sogenannte summarische Zusätzlichkeitskriteriums aufgab. Verluste im Tiefbau treffen das Bauhauptgewerbe voll. Zugewinne in den Hochbausparten fallen im Bauhauptgewerbe hingegen nur anteilig an, überwiegend kommen sie dem Ausbau zugute. Das Jahr 2010 war durch das Wiederanspringen der Konjunktur gekennzeichnet.
Die Kapazitätsauslastung erreichte im verarbeitenden Gewerbe in 2010 erst wieder den langjährigen Durchschnitt. Damit blieben die Investitionsimpulse
in 2010 für den Wirtschaftsbau insgesamt noch zu schwach für eine Steigerung.
Das Bauen im Bestand hat seit Mitte der 90iger Jahre deutlich zugenommen. Entsprechend hat das Bauhauptgewerbe an den Bauinvestitionen von 1995 bis 2010 fast 11 %- Punkte an Produzentenanteilen an den Bauinvestitionen verloren. Das Ausbaugewerbe und die übrigen Produzenten (verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistungen und Eigenleistungen) haben diese Anteile hinzugewonnen.
Das Bauhauptgewerbe war in den Wintermonaten des Jahres 2010 stark an der Leistungserbringung gehindert. In den Monaten Januar, Februar und Dezember wurde jeweils ca. 20 % weniger geleistet, als im Jahr zuvor. Dabei fielen bereits im Jahr 2009 witterungsbedingt viele Stunden aus. Im Jahresverlauf 2010 konnte das deutliche Minus aus den Wintermonaten noch nahezu aufgeholt werden. Insgesamt blieb die Leistung nur um 0,6 % unter dem Niveau von 2009. Einmal mehr zeigte sich damit, dass die Leistung zuvorderst von der Nachfrage bestimmt wird.
Trotz des witterungsbedingten starken Einbruchs um 20 % gegenüber dem Vorjahr bei der geleisteten Arbeitszeit hielt der Beschäftigtenstand schon im ersten Quartal leicht über dem Vorjahresniveau. Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe lag in 2010 bei fast 716.000. Das waren ca. 11.000 Beschäftigte mehr als vor Jahresfrist. Damit hält das Beschäftigtenniveau seit 2005 bei über 700.000. Dass die Betriebe ihren Personalstamm gehalten haben, ist wiederum der breiten Nutzung des Instruments der Saison-Kurzarbeit zuzuschreiben. Der hohe Beschäftigtenstand steht im Übrigen im Zusammenhang mit dem Bestreben der Unternehmen, ihre Facharbeiter zu halten.
In 2009 ist diese langanhaltende Talfahrt bei der Neuerrichtung von Wohneinheiten im Wohnungsbau offensichtlich zu Ende gekommen. Das Genehmigungsvolumen für Wohnbauten im Neu- und Umbau lag im Jahr 2010 jeweils über dem Vorjahresvergleichswert. Die Fertigstellungen im Wohnungsbau haben in 2010 deutlich zugenommen. Nach 136.500 WE im Jahr 2009 ist in 2010 mit ca. 150.000 WE im Neubau insgesamt zu rechnen. Entsprechend hat der Umsatz im Wohnungsbau im Jahr 2010 auch zugelegt. Zum Jahresende 2010 wurden 26,3 Mrd. € erreicht, ein Plus von 6,6 %.
Im Jahr 2010 blieb das Baugenehmigungsvolumen im Wirtschaftsbau noch mit fast 8 % unterhalb des Vorjahresniveaus, der Trendverlauf war jedoch positiv. Der Auftragseingang im Wirtschaftshochbau verzeichnete im Jahresverlauf eine von der Entwicklung der Baugenehmigungen abgekoppeltes Bild. In der Krise nicht genutzte Baugenehmigungen und zunächst stornierte Order wurden aktiviert, sodass das Ordervolumen höher ausfiel als vor Jahresfrist. Der Wirtschaftstiefbau zeigt beim Auftragseingang im gesamten Jahresverlauf wiederum positivere Werte als vor Jahresfrist. In 2010 erreicht der Umsatz im Wirtschaftshochbau 18,1Mrd. € (-9,2 %), im Wirtschaftstiefbau werden 11,5 Mrd. € umgesetzt (+4,7 %). Der Umsatz im Wirtschaftsbau insgesamt verfehlt mit 29,6 Mrd. € das Vorjahresergebnis noch mit 4,3 %.
Im öffentlichen Bau hatten die Baugenehmigungen, gepuscht aus den Konjunkturpaketen, im Frühjahr 2010 ihren Zenit erreicht. Das Volumen der Auftragseingänge erreichte im öffentlichen Hochbau im Frühjahr kumulativ noch ein Plus von über 20 %, fiel dann aber bis zum Jahresende 2010 auf nur noch 3 % oberhalb des Vorjahresniveaus ab. Während der Umsatz im öffentlichen Hochbau, der einen Anteil von 20 % in dieser Sparte hat, ein Umsatzplus von 7 % erreichte, fiel der Tiefbau um 5 % unter das Vorjahresniveau. Die Steigerung im Hochbau hat wegen des Gewichtes des Tiefbaus nicht ausgereicht, den Umsatz im öffentlichen Bau in 2010 insgesamt über das Vorjahresniveau zu bringen (26,1 Mrd. €; - 2,2 %).
In 2010 erreichte der Umsatz im Bauhauptgewerbe insgesamt 81,9 Mrd. € nach 82,2 Mrd. € in 2009 (-0,3 %).
Die Zahl der Betriebe ist im Zeitraum von der Totalerhebung im Juni 2009 auf Juni 2010 von 73.944 auf 73.292 gesunken (-0,9 %). Nachdem die Zahl der Betriebe in der konjunkturellen Aufschwungphase bis zum Jahr 2000 auf über 80.000 gestiegen war, geht der Anpassungsprozess seither sukzessive voran. In den letzten 10 Jahren wurden pro Jahr etwa 1 % weniger Betriebe im Bauhauptgewerbe registriert. 71 % der Betriebe gehören zum Handwerk. Der Anteil der in diesen Betrieben Beschäftigten liegt bei 75 %. Die deutliche Unterauslastung der Kapazitäten im ersten und vierten Quartal 2010 verhinderte eine markante Preisentwicklung für Bauarbeiten im Bauhauptgewerbe. Im Gegensatz dazu zogen die Preise für wichtige Materialpositionen deutlich an. Auch die Löhne, sowohl der Facharbeiterlohn wie auch die Mindestlöhne erhöhten sich im Jahr 2010. Da die Erhöhung der Kosten offensichtlich nicht im selben Maß an die Kunden weitergegeben werden konnte, hat sich die betriebswirtschaftliche Situation der Unternehmen nicht verbessert.