Home / Zahlen Daten Fakten / Baumarkt
Baumarkt
erschienen: Mai 2009
Im abgelaufenen Jahr 2008 wurde eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um real 1,3 % erreicht. Beachtlich ist dabei, dass sich die Entwicklung im Jahresverlauf deutlich abgeschwächt hat. Das schwache Schlussquartal 2008 mit einem preisbereinigten Rückgang von 1,6 % ist eine schwere Hypothek für das Wirtschaftswachstum 2009. Zur Belastung für die deutsche Konjunktur wurde in erster Linie der Rückgang der Nachfrage nach Investitionsgütern im Ausland. Negativ schlugen sich zweitens die Unsicherheiten über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise nieder.

Das Wachstum gründet sich entstehungsseitig wiederum auf eine Steigerung des Arbeitsvolumens. Ausgabenseitig wurde das Wachstum von den Entwicklungen der Bruttoanlageinvestitionen (+ 0,9 Prozentpunkte) und Konsumausgaben des Staates (+ 0,4 Prozentpunkte) getragen. Zum Beitrag der Bruttoanlageinvestitionen trugen die Ausrüstungsinvestitionen + 0,6 Prozentpunkte und die Bauinvestitionen + 0,3 Prozentpunkte bei. Einzig die Bauinvestitionen legten im gesamten Jahresverlauf durchgängig eine positive Entwicklung hin.

Markant für die Wirtschaftsentwicklung in 2008 ist die fortgesetzte Steigerung der preisbereinigten Bruttowertschöpfung – also der Eigenleistung – der Wirtschaftsbereiche. Den deutlichsten Zugewinn verzeichnet das Baugewerbe (+ 3,5 %; Vorjahr).

Die Arbeitsproduktivität, gemessen in der preisbereinigten Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen, fiel in 2008 in keiner Branche höher aus als im Baugewerbe (+ 4,2 %). Ursache dafür dürfte die stürmische Entwicklung im Wirtschaftsbau sein, wo produktivitätssteigernde Maßnahmen wie die Vorfertigung und industrielle Fertigung eher zum Einsatz kommen.

Nach den vorliegenden Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gab es im Durchschnitt des Jahres 2008 40,33 Millionen Erwerbstätige. Das waren 562.000 Personen oder 1,4 % mehr als ein Jahr zuvor. Zum Wachstum der Beschäftigung haben bis auf das Baugewerbe alle Wirtschaftsbereiche beigetragen. Im Baugewerbe fiel die Zahl der Erwerbstätigen um ca. 15.000 geringer aus als vor Jahresfrist. Am Rückgang hat das Bauhauptgewerbe einen Anteil von gut der Hälfte.

Die Haushaltsituation bei den öffentlichen Auftraggebern hat sich 2008 Dank gestiegener Einnahmen aus gemeinschaftlichen Steuern und Gewerbesteuern weiter verbessert. Trotzdem sind die Handlungsspielräume der öffentlichen Auftraggeber nicht größer geworden. Die Kreditmarktschulden und Kassenkredite wurden ausgeweitet. Die damit zukünftig zu leistenden Zins- und Tilgungsleistungen engen Investitionsspielräume ein. Bereits heute geben der Bund nur 14% und die Länder 20 % dessen für den Bau aus, was sie für Zinsen aufwenden. Einzig die Kommunen geben drei Mal mehr für Baumaßnahmen aus als für Zinsen. Aber auch hier hat sich das Verhältnis in den letzten Jahren zu Ungunsten der Baumaßnahmen verändert.

Die Bauinvestitionen erreichten in 2008 ein reales Volumen von 219,3 Mrd. €. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 3,0%. Dabei haben alle Bausparten hinzugewonnen. Getrieben wurde die Entwicklung wiederum durch den Wirtschaftsbau, der um 7,5 % auf 69,3 Mrd. € zulegte und den öffentlichen Bau, der mit einer Steigerung um 1,8 % auf 26,8 Mrd. € zum Wachstum beitrug. Ein stürmischeres Wachstum der Bauinvestitionen behinderte die Entwicklung im Wohnungsbau. Sie konnten nur um 0,8 % auf 123,2 Mrd. € zulegen. Die positiven Veränderungsraten bei den Wohnungsbauinvestitionen resultieren einzig aus der überkompensierenden Entwicklung bei den werterhöhenden Maßnahmen im Bestand.

Das Volumen der gesamten Baugenehmigungen ist in 2008 mit 59 Mrd. € deutlich um 7,3 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Zum Wachstum hat allein die starke Entwicklung bei den Nichtwohngebäuden beigetragen. Das Volumen stieg hier um fast 16 % auf 32,3 Mrd. €. Demgegenüber verzeichneten die Wohngebäude ein weiteres Mal einen Rückgang. Hier fiel das Volumen um 1,5 % auf 26,7 Mrd. €. In 2008 wurden im Neubau erstmalig wertmäßig mehr Nichtwohngebäude genehmigt als Wohngebäude. Die positive konjunkturelle Entwicklung hat dem Nichtwohnungsbau Impulse gegeben, gleichzeitig fehlen diese seit Jahren im Wohnungsneubau.

Die Genehmigungszahlen für Wohnungen gingen auch im Jahr 2008 auf einen neuen Tiefstand seit der Wiedervereinigung. So wurde zum zweiten Mal die 200.000-Marke unterschritten, nach 2007 mit 182.771 in 2008 mit nur noch 174.595 (- 4,5 %).

Die Genehmigungszahlen für Nichtwohngebäude stiegen wertmäßig um fast 16 %. Angesichts des dramatischen Einbruchs bei den Aufträgen in der Industrie werden diese Baugenehmigungen zu einem erheblichen Teil zunächst nicht in Auftragseingänge münden.

Die amtliche Statistik kann derzeit noch keine Angaben zu den Baufertigstellungen in 2008 veröffentlichen.

Gemäß der Jahreserhebung im Bauhauptgewerbe im Juni 2008 haben sich die Betriebs- und Beschäftigtenzahlen in etwa stabilisiert. Von den 74.535 (- 0,3 % z. Vorjahr) Betrieben des Bauhauptgewerbes liegen 70 % in den alten und 25 % in den neuen Ländern. Die alten Länder vereinigen 75 % der 715.048 Beschäftigten auf sich. Der Beschäftigtenrückgang um ca. 5.100 stammt aus den neuen Ländern.

Nach der Leistungsstruktur führten die Betriebe mit 1 - 19 Beschäftigten in 2008 im Wohnungsbau ca. 76 % der Bauleistungen aus. Im Wirtschaftsbau und öffentlichen Bau führen die Betriebe mit 20-99 Beschäftigten jeweils mit 42 % und 44 % die Leistungsbilanz an. Die Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten nehmen am Geschäftsfeld „Wohnungsbau“ mit nur 3 % unbedeutend teil. Sie übernehmen dafür knapp 27 % der Leistungen im Wirtschaftsbau und knapp 33 % der Bauleistungen im öffentlichen Bau.

Der Auftragseingang erreichte 2008 nominal eine Größe von 49.487 Mio. € und lag damit nur geringfügig unterhalb des Vorjahres (- 0,3 %). Eine deutliche, kostengetriebene Preisentwicklung von ca. 4 % verhinderte einen deutlicheren Abfall. Real nahm die Ordertätigkeit um 4,4 % ab. In 2008 schließt nur noch der Wirtschaftsbau mit nominalem Zuwachs (+ 2,5 %) nachdem er in das Jahr noch mit über + 25 % startete. Im öffentlichen Bau konnten die Steigerungen der Ordertätigkeit aus dem 1. Halbjahr im Jahresverlauf nicht gehalten werden, insgesamt fielen die Auftragseingänge deutlich ab, von fast + 10 % auf - 1,9 %. Dem Wohnungsbau fehlten auch in 2008 zum wiederholten Male Impulse. In 10 von 12 Monaten blieben die Order unterhalb des Vorjahres. Das Jahr begann hier mit - 4 % gegenüber dem Vorjahr und schloss auch bei dieser Marke.

Insgesamt nahm die jahresdurchschnittliche Zahl der Beschäftigten von knapp 714.000 auf noch gut 705.000 ab (- 1,2 %). Nach jährlichen Rückgängen zwischen 5 % bis über 9 % in den Jahren 2000 bis 2005 hat sich der Beschäftigtenrückgang jedoch deutlich abgebremst.

Das Volumen der geleisteten Arbeitsstunden lag in 2008 mit gut 844 Mio. Stunden um gut 1 % unterhalb des Vorjahres. Die Strukturierung des Stundenvolumens nach Bausparten zeigt nur für den Wirtschaftsbau eine deutlich positive Entwicklung (+ 3,8 %), die wiederum nur aus dem deutlichen Zuwachs in den alten Ländern (+ 6 %) stammt. In den anderen Sparten wurden auch in den alten Ländern weniger Stunden geleistet, wie in den neuen Ländern überhaupt in jeder Sparte.

Die Aufschwungphase der letzten Jahre haben die mittelständischen Bauunternehmen genutzt, ihre Wirtschaftslage zu verbessern. Lag der Zentralwert der Eigenkapitalquote in 2000 in Unternehmen der Größenklasse von 0,5 bis 2,5 Mio. € Umsatz noch bei 2 % erreicht sie in 2006 über 9 %. In den Jahren 2007 und 2008 dürfte sich der positive Trend verfestigt haben.

Die Entwicklung der Insolvenzen bestätigt den Konsolidierungsprozess in der Bauwirtschaft. Im abgelaufenen Jahr 2008 sind im Vorjahresvergleich wiederum gut 7 % weniger Konkurse zu verzeichnen, in den alten Ländern sind es 3,4 % und in den neuen Ländern gut 17 % weniger. Bei der für 2009 prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung kann nunmehr jedoch bundesweit bestenfalls mit einer Stabilisierung der per 2008 erreichten Werte gerechnet werden.

Die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse des Jahres 2008 fallen spartenbezogen unterschiedlich aus. Die Steigerung des baugewerblichen Umsatzes in 2008 insgesamt ist zunächst Folge des wirtschaftlichen Aufschwungs über den Wirtschaftsbau. Den Umsatzsteigerungen in den Sparten wohnen zudem kostengetriebene Preisentwicklungen inne. Nachweislich im Wohnungsbau ist es nicht gelungen, die Kostensteigerungen adäquat an den Markt weiter zu geben. Die in diesem Bereich vorwiegend tätigen mittelständischen Unternehmen waren nicht in der Lage, ihre betriebswirtschaftliche Situation zu verbessern.

Anhänge:
Zentralverband Deutsches Baugewerbe  |  Kronenstraße 55 - 58  |  10117 Berlin
Telefon 030 20314-0  |  Telefax 030 20314-420  |  info@zdb.de