Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat vor ungefähr einem Jahr den Prozess zur Erarbeitung eines Leitbildes Bauwirtschaft initiiert. Das Ministerium bezieht sich dabei auf eine Aussage in der Koalitionsvereinbarung: “Wir werden die Bauwirtschaft dabei begleiten, ein Leitbild Bauwirtschaft als Gesamtrahmen für eine moderne Baupolitik zu entwickeln, die mit Innovation und Qualität Investitionen und Arbeitsplätze sichert.” Entscheidend für das Ministerium ist dass die gesamte Wertschöpfungskette Bau in ein Leitbild einbezogen wird.
Die Forderung aus der Koalitionsvereinbarung soll in drei Schritten realisiert werden:
- Positionsbestimmung der Bauwirtschaft (Prozess zur Erarbeitung eines Leitbildes)
- Politisches Marketing und betriebliche Marketingstrategien
- Effektive Kommunikation des Leitbildprozesses in die Branche
Im Vorfeld dazu wurde eine
Konzeptstudie in Auftrag gegeben, die die Rolle eines Leitbildes definieren als auch mögliche Themenfelder identifizieren sollte. Verfasser der Konzeptstudie ist Prof. Dr. Gerhard Bosch, Universität Duisburg / Essen, Institut für Arbeit und Qualifikation.
Normalerweise werden “Leitbilder nur für Organisationen oder Gruppen von Organisationen entwickelt, die ihr Handeln koordinieren wollen und deren Mitglieder ein Wir-Gefühl entwickeln wollen und können,” so Prof. Bosch einschränkend in der Konzeptstudie. Dennoch hält auch er ein Leitbild für die gesamte Baubranche für möglich und wünschenswert.
Eine wesentliche Aufgabe eines Leitbildes Bauwirtschaft ist es z. B., die wirtschaftspolitische Bedeutung der Wertschöpfungskette Bau (auch Baucluster genannt) deutlich zu machen, schließlich arbeitet fast jeder siebte Beschäftigte (= 13,6 %) in diesem Kernbereich der deutschen Wirtschaft.
Um die unterschiedlichen Funktionen und Erwartungen erfüllen zu können, kann ein Leitbild nicht vorgegeben, sondern muss in einem partizipativen Prozess von den verschiedenen Organisationen gemeinsam entwickelt werden. Der Beteiligungsprozess und die Identifikation mit der Baubranche gelten als die wichtigsten Voraussetzungen für die spätere Akzeptanz eines Leitbildes.
Die Konzeptstudie versteht sich als Fahrplan und Basis zur Entwicklung einer modernen und in sich kohärenten Zukunftsstrategie für den Bausektor und für die Umsetzung eines Szenarios der Kompetenzentwicklung in die Praxis.
In der Konzeptstudie wurden nachfolgende Themen für den Leitbildprozess definiert:
- Die Bedeutung der Bauwirtschaft in der Wirtschaft und der Gesellschaft
- Märkte der Zukunft
- Qualifikation der Beschäftigten
- Innovationen in der Wertschöpfungskette Bau
- Qualität und Lebenszyklus von Bauten
- Zusammenarbeit in der Branche
- Legalität und Wertemanagement
Die am Leitbildprozess beteiligten Verbände werden nun in gemeinsamen Workshops die Themen mit Leben füllen. Die Ergebnisse der Workshops fließen dann unmittelbar in das Leitbild ein.
Workshoptermine:
Wohnen ist Zukunft – Europäische Perspektiven: menschenwürdiges Wohnen, wirtschaftliche Dynamik, baukulturelle Vielfalt und soziales Miteinander (23. November 2007, Berlin, ) gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer, der Bundesingenieurkammer und dem Förderverein Baukultur)
- Qualitätssicherung im Planungs- und Bauprozess (21. Januar 2008, Berlin), gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer und der Bundesingenieurkammer
- Qualifikation der Beschäftigten (mittleres Baumanagement/ausführende Fachkräfte) (voraussichtlicher Termin: 21. Februar 2008, Frankfurt/M.), gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der IG BAU
- Legalität und Wertemanagement (4. März 2008, Frankfurt/Main), gemeinsam mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der IG BAU
- Workshop zum Wohnungsbau, Termin noch offen.
Die
Leitbildbilderarbeitung soll in mehreren Schritten geschehen,
Nachdem wir die Phase der “Initiierung” bereits hinter uns gelassen haben, befinden wir uns unmittelbar vor Eintritt in die zweite Phase, der “Themenbearbeitung”: Denn am 12. Oktober 2007 findet der Auftaktworkshop in Berlin stattfinden. Dem schließt sich die Phase der “Verdichtung” an, an deren Ende das Leitbild steht; es wird damit gerechnet, dass spätestens Ende 2008 / Anfang 2009 das Leitbild präsentiert werden kann.