Arbeitskreis Baufachpresse: Energieeffizientes Bauen als Schwerpunkt der Jahrestagung
Das energieeffiziente Bauen stand im Mittelpunkt der diesjährigen Jahrestagung des Arbeitskreises Baufachpresse, an der rund 100 Journalisten aus Deutschland und Österreich teilnahmen.
Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik; darin wies er vor allem darauf hin, dass das vorhandene Potenzial zur Energieeinsparung bei Bauwerken bei weitem noch nicht erschöpft sei. Während im Neubaubereich in Zukunft neben dem Passivenergiehaus auch mit einem Plusenergiehaus zu rechnen sei, gibt es im Gebäudebestand enormen Handlungsbedarf. Für ihn sind die von der Bundesregierung aufgelegten Programme zur Förderung regenerativer Energien zwar für sich genommen sinnvoll, in der Gesamtbetrachtung dennoch der falsche Ansatz.
Prof. Hauser, Sie fordern einen verstärkten Blick auf die gesamte Energieeffizienz eines Gebäudes. Welche Anforderungen ergeben sich daraus an Planung und handwerkliche Ausführungen?
Hauser: Das bedeutet alle bautechnischen und architektonischen Möglichkeiten nutzen und vor allem intelligent einsetzen, zum Beispiel durch die passive Nutzung der Sonnenergie durch entsprechende Fenster. Letztendlich zählt das Zusammenspiel aller Elemente zur Effizienzsteigerung und zur Vermeidung von Kältetechnik. Dann prognostiziere ich für den Neubau ab 2020 Plus-Energiehäuser, die mehr Energie speichern, als Sie verbrauchen. Was wir brauchen sind die richtigen Instrumente zur Steigerung der Gebäudeeffizienz. Drei Dinge möchte ich hier nennen. Die EnEV, Fördermodelle und Aufklärung, denn all unsere Maßnahmen nützen nichts, wenn wir nicht eine breite Öffentlichkeit schaffen.
Welche Auswirkungen hat das auf die Ausbildung unserer Baufachleute?
Hauser: Verfahren und Techniken entwickeln sich so schnell, dass der Fokus mehr auf der Weiterbildung liegen muss. Hier müssen wir verstärkt ansetzen damit Planer und Handwerker stets auf dem neuesten Stand sind. Dabei werden uns neue Entwicklungen helfen, wie zum Beispiel die elektronische Kennzeichnung von Dämmstoffen, die die wichtigsten Kenndaten enthält und so auch dem Handwerker die entsprechende fachliche Ausführung vorgibt. Und schließlich spielt auch die Qualitätskontrolle in Zukunft eine größere Rolle, die nachweist, dass die geforderten Energiewerte eingehalten werden. Das wird ein Fachmann alleine gar nicht können. Hier wird es Teams geben, die diese Kontrollen vornehmen um die Komplexität richtig abarbeiten zu können.
Wie gelingt es denn, für das Thema Energieeffizienz eine ähnliche Lobby aufzubauen, wie für die erneuerbaren Energien?
Hauser: An der Solar- und Photovoltaikbranche kann man sich in dieser Hinsicht wirklich ein Beispiel nehmen. Es gibt viele Faktoren, die zusammenspielen müssen. Es muss umfangreich und richtig informiert werden, es muss permanenter politischer Druck ausgeübt werden und das nicht nur in Berlin, sondern auch in Brüssel. Breite, starke Initiativen müssen sich zusammenfinden und sich für die Sache der Energieeffizienz stark machen. Wichtig wäre zudem, dass alle drei relevanten Bundesministerien, also Wirtschaft, Bau und Umwelt, die Energieeffizienz deutlicher repräsentieren und in ihren Programmen verankern. Aber auch die gesamte Baufachpresse spielt eine gewichtige Rolle, denn ihre entsprechenden Beiträge und die praxisgerechte Übersetzung unserer wissenschaftlichen Arbeiten schaffen ja die Öffentlichkeit, die wir brauchen.
In der sich anschließenden Podiumsdiskussion vertrat Kay Baugut, Manager Energie und Umwelt vom Dämmstoffhersteller URSA Deutschland GmbH, die Auffassung, dass die Energiebedarfsreduzierung vor der ressourcenschonenden Erzeugung von Energie kommen muss. Der Besitz einer Immobilie mit möglichst geringem Energiebedarf müsse zum Statussymbol der Moderne werden. Trotz zahlreicher Maßnahmen im Zusammenhang mit der EnEV sieht Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes der Fenster- und Fassadenhersteller, große Chancen zur dauerhaften Reduzierung des Energiebedarfes im Austausch von großflächigen Einschreiben-Verglasungen im Gewerbebereich. Darüber hinaus forderte er die größere Berücksichtigung und Förderung von passiver Solarwärmegewinnung. Markus Bade, Leiter Vertrieb der Menerga GmbH, machte deutlich, dass Aggregate zur effektiven Wärmerückgewinnung und wirtschaftlichen Klimatisierung bereits seit vielen Jahren verfügbar sind. Nicht nur Großprojekte lassen sich so wirtschaftlich und energiesparend klimatisieren, sondern in naher Zukunft sollen auch kleinere Wohnobjekte mit ressourcenschonender Lüftungstechnik ausgestattet werden können.
Das Interview führte Elke Herbst, Chefredakteurin DDH, Vorstandsmitglied Arbeitskreis Baufachpresse.